Real Estate im Kunstmuseum Solothurn

SONJA FELDMEIER · Neverending. 2005, Videoprojektion (61') in nachgebauter Liftkabine. Still

SONJA FELDMEIER · Neverending. 2005, Videoprojektion (61') in nachgebauter Liftkabine. Still

Besprechung

Ein verblüffender Anblick: Ein weisser Holzzaun umgibt das Kunstmuseum, das die von Gastkuratorin Claudia Spinelli konzipierte Gruppenausstellung zeigt. Die Einzäunung verwandelt das öffentlich und einladend wirkende Gebäude in ein privates Anwesen: Man denkt an Grossgrundbesitz und Immobilienspekulation.

Real Estate im Kunstmuseum Solothurn

«NIMBY (not in my backyard)», 2008, heisst die Intervention von Haus am Gern. Hinter der künstlerischen Corporate Identity verbergen sich Barbara Meyer Cesta (*1959) und Rudolf Steiner (*1964). Abstecken und Eingrenzen, Repräsentation und Rückzug: Wie ein Leitmotiv umreisst der White Fence das Assoziationsfeld des Zusammenspiels Solothurner Kunstschaffender mit nationalen und internationalen Positionen. Im Zentrum steht dabei das Haus mit seinen realen und symbolischen Bedeutungen. Turmhoch ragen in den Fotografien von Thomas Kneubühler (*1963) moderne Bauten in den nachtschwarzen Winterhimmel von Montreal «Office 2000», 2003. Aus beträchtlicher Höhe vom gegenüberliegenden Gebäude aus aufgenommen, offenbart sich aus dieser Perspektive etagenweise die Funktion der imposanten Architektur. Transparent geworden gibt die Fassade Einblicke auf Büroräumlichkeiten frei, deren stereotype Regelmässigkeit sich bei genauem Hinsehen in eine Fülle von Details und Absonderlichkeiten auflöst. Stockwerk für Stockwerk wird der Betrachter auch in Sonja Feldmeiers (*1965) Videoarbeit «NEVERENDING», 2005, durch ein imaginäres Haus geführt. In einem vorgetäuschten Warenlift wie in einer Zeitmaschine platziert, «öffnet» sich die Tür bei jedem Halt auf einen Ausschnitt gefilmten Alltags: Das Gewusel einer Shopping Mall etwa oder die dynamische Hektik eines Fitnessclubs. Tastend bewegt sich der Kamerablick von Martin Guldimann (*1970) entlang der Häuserzeile in «Das Reihenhaus», 2007. Wie wildwachsende Rosen rankt sich dazu der gesprochene Text von Roswitha Haring (*1960) um die verschlossene Frontseite. Stillgestellte Innerlichkeit dominiert Bert Teunissens (*1959) Fotografien: In altmeisterlicher Manier - man denkt an gemalte holländische Interieurs des 17. Jahrhunderts - portraitiert er Menschen in ihren Wohnräumen. Grell und verführerisch stehen demintrospektiven Blick auf das behagliche Zuhause Gert Rappeneckers (*1955) bemalte Fotografien aus Immobilienprospekten entgegen: DerWerbetext verspricht mit den Luxusgütern Glück in harter Währung («Real Estates», 1996-98). In Maria Elena Gonzales (*1957) «Mnemonic Architecture», 2000/2008, ist der am Boden aufschimmernde Grundriss der einzig verbliebene Rest der Erinnerung an den Wohnraum aus ihrer Kindheit in Kuba.

Until 
31.05.2008

Advertisement