Sharon Lockhart

Sharon Lockhart · Audition One, Simone and Max, 1994, Edition 2/4, Farbprint, 124 x 152.5 cm, Sammlung Sander

Sharon Lockhart · Audition One, Simone and Max, 1994, Edition 2/4, Farbprint, 124 x 152.5 cm, Sammlung Sander

Hinweis

Sharon Lockhart

Ein Kuss auf der Treppe, nicht innig, nicht flüchtig, mit einer Zartheit, die aus Unsicherheit kommt. Sharon Lockharts fünfteilige «Audition», 1994, zeigt Jungen und Mädchen, knapp vor der Pubertät, in schüchtern unerfahrener Berührung. Bilder des Übergangs, die etwas erst Geahntes, sich Ankündigendes zum Ausdruck bringen. Fünfmal die gleiche Szene, fünfmal wechselnde Akteure, das zeigt auch: Das intime Szenario basiert auf einer Versuchsanordnung. Tatsächlich stellen die Kinder eine Kussszene aus Truffauts «L'argent de poche», 1976, nach, und das Anrührende daran ist, wie Inszenierung ins Authentische umschlägt, ohne dass eins vom anderen zu trennen wäre. Die Reihe bildet den Auftakt für Lockharts grosse Überblicksschau im Kunstverein Hamburg und macht exemplarisch deutlich, wie über analytische Distanz Empathie ins Bild gesetzt wird. Lockharts Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld von Fotografie und Film und verknüpft streng konzeptuelle Formen mit unmittelbar gesellschaftlichen Themen. Ihr Ansatz mündet aber auch in intensiver Beschäftigung mit dem Thema des Übergangs zwischen Kindheit und Erwachsensein. So etwa in der Fotoserie «Pine Flat Portrait Studio» und dem Film «Pine Flat», 2005, der in zwei Fassungen, fürs Kino und als Installation, zu sehen ist. Darin treten Kinder des kalifornischen Ortes Pine Flat in so einfachen wie eindringlichen Filmszenen auf. Die strenge Form der zehnminütigen Episoden kreist bildhaft um je ein Thema, zeigt etwa einen im Laubwald hockenden Jungen als «Jäger» oder zwei Kinder als «Badende» in einer Teichidylle. Die Kinder sind als Personen und Individuen präsent, doch die stillen Szenen wirken zugleich eigenartig zeitlos und bringen Archetypisches zum Ausdruck.

Until 
14.06.2008

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