Friedrich Kuhn, «Der Maler als Outlaw»

Friedrich Kuhn · Antigrippine, 1969, Tusche, Gouache, Collage auf Papier, 30.5 x 20 cm, Privatbesitz

Friedrich Kuhn · Antigrippine, 1969, Tusche, Gouache, Collage auf Papier, 30.5 x 20 cm, Privatbesitz

Besprechung

Das Kunsthaus Zürich widmet dem einstigen Bürgerschreck Friedrich Kuhn eine feinsinnige, retrospektiv ausgerichtete Schau. Abseits der Bastion der Konkreten schuf er ein äusserst eigenwilliges OEuvre von einer ungeheuren Frische und überbordenden Fantasie.

Friedrich Kuhn, «Der Maler als Outlaw»

Friedrich Kuhn (1926-1972) war eine einzige Provokation und seine Eskapaden waren Legende. Die Aussenseiterrolle zelebrierte er genüsslich, nicht zuletzt dank der Toleranz, welche die damals rigide Gesellschaft exaltierten Künstlern entgegenbrachte. Gleichzeitig verhinderte er tunlichst Auftritte auf internationaler Bühne und blieb so ein berühmter, doch lokaler Künstler, der dennoch über das internationale Kunstgeschehen gut informiert war. Schon früh scharte er einen treuen Kreis von Bewunderern und Sammlern um sich, die für damalige Verhältnisse ansehnliche Preise bezahlten. Seine Kompositionen standen in Kontrast zu allem, was damals den ästhetischen Diskurs - vornehmlich abstrakt-konkrete Kunst - bestimmte. Seine Malerei, Ton in Ton bis knallig bunt, strotzt vor anarchischer Kraft, überschwänglichen Formfindungen, surrealen und verspielten Einfällen. Die in Werkgruppen gegliederte Ausstellung beginnt mit Werken aus den Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren. Anfänglich dominieren Darstellungen des Karnevalesken - Fasnacht und Künstlermaskenball waren zu jener Zeit wichtige Ereignisse - kombiniert mit kubistischen und expressionistischen Elementen. Das damals verfemte Ornament nimmt viel Raum ein. So überwuchert fein gestricheltes Rankenwerk geradezu das Bildgeviert. Zuweilen verdichtet es sich zu Möbeln und versetzt damit dem kubistischen Formwillen einen Seitenhieb. Viele Motive entstammen der Bauernschnitzerei, die Kuhn von seinem Vater, einem (Grab-)Stein- und Holzbildhauer, gelernt hatte und als Nebenerwerb weiterführte.Auch populäre Elemente tauchen schon früh auf mit Pin-ups, collagierten Bildräumen und den zweidimensionalen Palmenskulpturen. Zu Recht spricht Bice Curiger, die Kuratorin der Ausstellung, von Friedrich Kuhn als dem Zürcher Warhol der sechziger Jahre. Obwohl Kuhn Autodidakt war, sind doch Einflüsse erkennbar. Neben zeitweiligen Anleihen an die Art Brut, die Kubisten, vielleicht an Sonja Delaunay,war James Ensor ein Vorbild, dessen Verwandtschaft sich im grotesken Maskentreiben der frühen Bilder zeigt. Für die jungen Künstler war Friedrich Kuhn damals ein mächtiger Anziehungspunkt. Und aktuell ist sein Werk in seiner Offenheit, der gelebten Einheit von Kunst und Leben heute noch.

Veranstaltungen:
3.2., 19 Uhr: «Wo war und was war die Kunst?», mit u.a. U. Gwerder, U. Lüthi, D. Meier, H.R. Reust (Moderation);
4.2., 19 Uhr: «Fehlt etwas in der neueren Kunstgeschichte der Schweiz?», mit J.Ch. Ammann, G. Radanowicz, Ph. Ursprung, B. Curiger (Moderation).

Until 
28.02.2009

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