Stéphane Ducret — Malerei malen

Stéphane Ducret, Painting Number 8 (#RoniHorn #Mousseline), 2020

Stéphane Ducret, Painting Number 8 (#RoniHorn #Mousseline), 2020

Stéphane Ducret, Painting Number 6 (#BruceNauman #AndyWarhol), 2019

Stéphane Ducret, Painting Number 6 (#BruceNauman #AndyWarhol), 2019

Stéphane Ducret, Painting Number 4 (#Gerhard Richter #ImiKnoebel), 2019

Stéphane Ducret, Painting Number 4 (#Gerhard Richter #ImiKnoebel), 2019

Stéphane Ducret, Drawing Number 2 (#Christopher Wool #JonasWood), 2021

Stéphane Ducret, Drawing Number 2 (#Christopher Wool #JonasWood), 2021

Stéphane Ducret, Drawing Number 1 (#PaulMcCarthy), 2021

Stéphane Ducret, Drawing Number 1 (#PaulMcCarthy), 2021

Stéphane Ducret — Malerei malen

Genf — Stéphane Ducret (*1970, Lausanne) befragt seit gut einem Vierteljahrhundert den Status der Malerei in der heutigen Ökonomie. Seine Ansätze fallen durch etwas Geselliges und Geniesserisches auf. Dabei schliesst er Momente des Zweifelns nicht aus, in denen man meist alleine ist. Zwischen 2015 und 2016 hörte er trotz seiner Passion für die Arbeit mit Farbflüssigkeiten sogar mit dem Malen auf. Seine Gemälde waren – wie bei anderen Kunstschaffenden – stets nur so etwas wie die in Kunsträumen rezipierbare Frucht eines komplexen Gewächses gewesen.  Bei Stéphane Ducret hat sich die Auseinandersetzung mit der sich ausdehnenden Relevanz der amerikanischen Kunstsprachen in seinem von Lausanne über New York, Porto und Buenos Aires nach Genf führendem Parcours als Künstler, Kurator und Lehrer zu einer besonders umfassenden Form von Existenz entwickelt.

Mit den nun bei Gowen Contemporary in der Genfer Altstadt ausgestellten Bildereignissen meldet sich Stéphane Ducret entschieden als Maler zurück. Seine Position hat sich dabei seit seiner Krise vor gut fünf Jahren ergreifend verändert. Scheint sich Ducret vor dieser Zäsur wie nach einem unentdeckten leeren Fleck, Shift oder Turn durch den Kanon der Gegenwartskunst gemalt zu haben, übt er sich nun in radikaler Zurückhaltung.

Ateliers und Interieurs
So imaginiert Stéphane Ducret in seinen erstmals klassisch erscheinenden Gemälden in der Schau ‹Solo Show #1: The Real Estate Series› Ikonen der zeitgenössischen Kunst in erlesenen Anwesen. Nur auf den ersten Blick öffnen sich darauf indes homogene Räume wie in Life Style-Magazinen. Vielmehr turnt man bald in den dichten Metaphern dieser Malerei umher, die ebenso vom Mix gefundener und erfundener Details wie vom Spiel mit Material und Technik lebt. Ohne den Zauber der Meisterwerke anzugreifen, werden die Gründe ihrer Erzeugung und Verwendung befragt. Neben ihren allbekannten Ausnahmeformen fallen uns diese besonders in das Auge, da sie der Künstler auch durch koloristische und perspektivische Kniffe wie Heilige auf Retabeln in den Vordergrund gerückt hat. 

Ein Neon von Bruce Nauman ‹The true artist helps the world revealing mysthic truths› von 1967 leuchtet, summt und surrt noch immer in der Factory von Andy Warhol. Aber die Party ist vorüber, und es scheint dort nur noch schlecht zu riechen. Auf anderen Gemälden, etwa zu Mark Grohtjahn oder zu Christopher Wool, finden sich zu trostlosen Stummeln abgebrannte Kerzen. Nur im bislang zehnten und letzten der Gemälde der ‹Real Estate Series›, das eine verquer in einen japanischen Zengarten gestellte Glasplastik von Roni Horn zeigt, hat er mit einer Hommage an seine kürzlich verstorbene Katze ein Lebewesen eingeschleust. Das Tier durchbricht jedoch das Postapokalyptische dieser Szenen nicht – ganz im Gegenteil. 

Immer erscheint die zeitgenössische Kunst seltsam ambivalent zwischen einem schlechten Omen und einem Versprechen zu schwanken – dem Versprechen übersichtliche Anschauungsordnungen für eine bessere Welt zu schaffen, durch ihr Vermögen Fragen zu stellen, die uns alle angehen.

Painting after all
Stéphane Ducret setzt im Malen zeitgenössischer Malerei eingebettet in Architektur und Mobiliar der langen Tradition vom Bild im Bild ein neues Kapitel hinzu. Der Künstler scheint in den exklusiven Lofts, Ranches, Castles und Chalets der Arrivierten als Endverbraucher zugleich eine Form des «Painting after all» gefunden hat – wie Gerhard Richter seinen eigenen Schaffensimpetus beschrieb. 

Der Ansatz von Stéphane Ducret erinnert jedoch auch daran, wie der griechische Arte-Povera-Künstler Jannis Kounellis mit der Unerreichbarkeit  der Antike umgegangen ist. Um nicht in ihrem Mausoleum selbst zu versteinern, schlug Kounellis vor, sie kurzum anzumalen – beispielsweise indem er Gipsabgüsse mit triefender Farbe überzog. 

Auch in dem stark verflüssigten Auftrag von Stéphane Ducret ist diese Zelebrierung des Instinkts und aller archaischen Vergnügen enthalten. Einer ähnlichen, fast noch unmittelbareren Verlebendigung der eigenen Gemälde der ‹Real Estate Series› entspricht auch das kraftvolle Zeichnen und Collagieren, zu dem Stéphane Ducret seit Anfang dieses Jahres angesetzt hat. 

Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Solo Show Number 1 | Stéphane Ducret 11.03.2021 to 24.04.2021 Exhibition Genève
Schweiz
CH

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