Dieter Hall & Xénia Lucie Laffely — Ein sinnlicher Tanz

Dieter Hall & Xénia Lucie Laffely · Installationsansicht Last Tango, 2018. Foto: Kilian Bannwart

Dieter Hall & Xénia Lucie Laffely · Installationsansicht Last Tango, 2018. Foto: Kilian Bannwart

Besprechung

Ein Künstler und eine Künstlerin aus unterschiedlichen Generationen werden im Off-Space Last Tango zu einem Ausstellungsduett gebeten, das sinnlich, intelligent und anspruchsvoll um die Themen Gender und Sexualität tanzt und für eine Überwindung der Normativität plädiert.

Dieter Hall & Xénia Lucie Laffely — Ein sinnlicher Tanz

Zürich — Die kuratorische Prämisse der beiden Macherinnen des Ausstellungsraums Last Tango klingt denkbar einfach: Linda Jensen und Arianna Gellini laden jeweils zwei Kunstschaffende ein und verweben deren Arbeiten, die sich ergänzen, wiedersprechen oder kontrastieren können, zu einem Ausstellungsparcours, der im besten Fall dann mehr ist als die Summe seiner Teile. Im Fall ihrer aktuellen Präsentation, in der Werke des Schweizer Malers Dieter Hall (*1955, Zürich) und der Künstlerin Xénia Lucie Laffely (*1987, Morges) miteinander gepaart werden, geht dieses Konzept voll auf. Sowohl Halls als auch Laffelys Arbeiten profitieren von der Nähe zu dem jeweils anderen und es entstehen manchmal subtile und manchmal offensichtliche Verbindungslinien, die immer ein Gewinn sind. Was neben den zwei starken künstlerischen Positionen dazu beiträgt, dass die Ausstellung so gelungen ist, sind die Räume, in der sie präsentiert wird. Nach einem Intermezzo einige hundert Meter entfernt an der Röntgenstrasse hat sich Last Tango seit ein paar Monaten in einem Hinterhof an der Gasometerstrasse in einer ehemaligen Autowerkstatt eingerichtet. Ein Raum mit Charakter, verwinkelt, aber trotzdem mit klaren Linien, der eine überlegte kuratorische Arbeit ermöglicht, ohne generisch zu wirken. Und grösser ist, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Denn es gibt noch ein Kellergeschoss, in dem, das erfährt man im Gespräch, in den frühen 2000er-Jahren der illegale Club ‹Insects› domiziliert war; dessen verwittertes Logo ist noch immer an der Fassade des Kunstraums zu sehen. Platz genug also, um Dieter Halls umfangreiches Œuvre in einer fast-retrospektiven Häufung zu hängen und Xénia Lucie Laffelys Objektensembles, die oft aus Textilien wie Quilts und Decken und Keramiken bestehen, gut überlegt mit den Werken des Malers in ein Duett treten zu lassen. Während Hall die eher männliche, aber immer auch sinnliche-zärtliche Position zu besetzen scheint, durch seine Sujets, die immer Männer sind, und seine Verhandlung des männlichen Blicks und Körpers, ist Laffelys Werk geprägt von der Suche nach neuen Narrativen um Weiblichkeit und Handarbeit: Sie kombiniert moderne Technologien und Bildsprachen mit traditioneller, eher weiblich konnotierter Handwerkskunst. Und Lauf des Ausstellungsbesuchs wird deutlich: So klar sind die Geschlechterrollen dann nicht verteilt, denn sie werden immer wieder unterwandert und aufgebrochen – manchmal führt der eine, manchmal die andere.

Jusqu'à 
02.02.2019
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Dieter Hall, Xénia Lucie Laffely 22.11.2018 - 09.02.2019 exposition Zürich
Schweiz
CH

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