Fiktion Kongo — Kunstwelten zwischen Geschichte und Gegenwart

Hans Himmelheber · Kongo, 1938, SW-Negativ, Courtesy Museum Rietberg, Geschenk Erbengemeinschaft Hans Himmelheber

Hans Himmelheber · Kongo, 1938, SW-Negativ, Courtesy Museum Rietberg, Geschenk Erbengemeinschaft Hans Himmelheber

Chéri Samba · Hommage aux Anciens Créateurs, 1999, Acryl auf Leinwand, 151 x 201 cm, Courtesy CAAC – The Pigozzi Collection.

Chéri Samba · Hommage aux Anciens Créateurs, 1999, Acryl auf Leinwand, 151 x 201 cm, Courtesy CAAC – The Pigozzi Collection.

Besprechung

Erstmals hat das Museum Rietberg kongolesische Kunstschaffende eingeladen, eine Ausstellung mit Objekten aus dem ­Kongo zu kommentieren. Gemeinsam mit den Kuratorinnen ­formulieren sie ihren Blick auf das Archiv von Hans Himmelheber und auf die zugrundeliegende koloniale Geschichte.

Fiktion Kongo — Kunstwelten zwischen Geschichte und Gegenwart

Zürich — Die Ende der 1930er-Jahre während ausgedehnter Reisen durch den ­Kongo entstandene Sammlung des deutschen Ethnografen und Ethnologen Hans Himmelheber (1908–2003) ist deshalb hervorragend geeignet, über die vielfältigen Kontexte musealen Besitzes exotischer Gegenstände zu reflektieren, weil Himmelheber nicht nur im Auftrag einiger Institutionen Masken, Kraftfiguren oder kunstvoll gestaltete Dinge des täglichen Gebrauchs in grossem Stil einkaufte, sondern darüber hinaus fotografierte, filmte und Tagebuch führte. Der «Pionier der afrikanischen Kunstgeschichte» wollte die exotischen Gegenstände nicht nur besitzen, er war interessiert an ihren Umgebungen, wie sie gemacht und genutzt wurden oder wie die Interaktionen mit den Verkäufer/innen vonstattengingen. Damals noch ungewöhnlich, setzte er Ton- und Filmaufnahmen als Forschungs- und Dokumentationsmittel ein, und diesen Aufzeichnungen, die wie ein roter Faden die Ausstellung durchlaufen, gelingt es, die vielen gezeigten Objekte ein wenig lebendig zu machen. Man sieht, wie der Weisse die ihn umgebenden Schwarzen um mindestens einen Kopf überragt, wie vier Träger Himmelheber in der Tipoye (einem Tragsessel) transportieren, wie er mit einem weiblichen Häuptling verhandelt oder wie die Masken damals verwendet wurden. Eine weitere Ebene sind die Kommentare der Künstler/innen. Eingeleitet werden sie mit ‹Hommage aux Anciens Créateurs›, einem vor etwa dreissig Jahren gemaltem Bild von Chéri Samba (*1956), das den kongolesischen, elegant gekleideten Künstler in nachdenklicher Begegnung mit nackten Kultfiguren aus der Sammlung Han ­Coray zeigt. Einige der Stücke hätten ihm körperliches Unbehagen bereitet, schreibt ­Samba, er sei überzeugt gewesen, dass diese Objekte immer noch übernatürliche Kräfte hätten. In der Ausstellung findet die Begegnung mit den Kultfiguren nüchterner statt. Einige werden computertomografisch durchleuchtet, um ihre verborgene Füllung sichtbar zu machen; der Künstler Sammy Baloji (*1978) fragt, wie man etwas Sinn geben könne, das heute keine Bedeutung mehr hat; zugleich wird konstatiert, die Objekte seien der Weg, um zu sich selbst zurückzufinden, deshalb sei Restitution wichtig. Wie zeigt man heute (unrechtmässig?) erworbene Dinge? Wer darf über sie sprechen bzw. wessen Stimmen und Deutungen werden gehört? Die Ausstellung im Museum Rietberg versucht, Antworten gemeinsam zu entwickeln. Kuratorinnen: ­Michaela Oberhofer und Nanina Guyer.

Jusqu'à 
15.03.2020

→ ‹Fiktion Kongo›, Museum Rietberg, bis 15.3.; mit Publikation ↗ www.rietberg.ch

expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Fiktion Kongo 22.11.2019 - 15.03.2020 exposition Zürich
Schweiz
CH
Auteur(s)
Brita Polzer
Artiste(s)
Chéri Samba

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