Martina-Sofie Wildberger — I want, I want to say something!

Martina-Sofie Wildberger · I want to say something (Video), 2019, Video, Full HD, 6 Min, Courtesy ­Museum zu Allerheiligen Schaffhausen. Foto: Peter Pfister

Martina-Sofie Wildberger · I want to say something (Video), 2019, Video, Full HD, 6 Min, Courtesy ­Museum zu Allerheiligen Schaffhausen. Foto: Peter Pfister

Martina-Sofie Wildberger · I want to say something (Video), 2019, Video, Full HD, 6 Min, Courtesy ­Museum zu Allerheiligen Schaffhausen. Foto: Peter Pfister

Martina-Sofie Wildberger · I want to say something (Video), 2019, Video, Full HD, 6 Min, Courtesy ­Museum zu Allerheiligen Schaffhausen. Foto: Peter Pfister

Besprechung

Die in Zürich und Genf lebende Konzept- und Performance-Künstlerin Martina-Sofie Wildberger hat den Manor Kunstpreis Schaffhausen 2019 erhalten. In der damit verbundenen Ausstellung im Museum zu Allerheiligen zeigt sie neue performative Arbeiten mit Stimme und Körper sowie grafische Plakate.

Martina-Sofie Wildberger — I want, I want to say something!

Schaffhausen – «I, I want, I want to say … something.» Die junge Frau trägt ein weis­ses T-Shirt; die blonden Haare hängen über den Schultern. Der hellrot geschminkte Mund spricht die Worte vor sich her. Die als Brustporträt gefilmte Künstlerin Martina-Sofie Wildberger ist im Video erst allein zu sehen. Nach einer Weile bildet sie eine Reihe mit ihren vier Ebenbildern. ‹I want to say something›, 2017–2019. Der einfache Satz ist in dekonstruierter Rede mal lächelnd gesprochene Verführung, mal wütender Schrei, bald aus fünf Mündern streng gesagte Forderung. Einmal betreffen die Wörter das Subjekt. Dann wieder sind sie abstrakte Propositionen. Ein endloser Kreislauf dieser fünf Wörter mit den fünf Personen dreht sich vor dem Besucher. Das Video zieht in den Bann, lullt ein und konfrontiert doch stets mit dem gerade Gezeigten, der Figur und der Sprache in absoluter Präsenz. Ab und zu sieht man eine Hand vom unteren Bildrand her auftauchen. Ein Zeigegestus, der das Gesagte an die Gestalt bindet und nicht nur an ein Ornament aus gefilmten Körpern. Was ist Sprache in der Performance? Diese Frage beschäftigt Martina-Sofie Wildberger seit Beginn ihrer Arbeit als Künstlerin. Sie hat einfache Sätze – meist auf Englisch – allein, im Duo und in Gruppen performt. Es sind Aufforderungen oder Vorhaben. Als die Performancekunst in den Sechzigerjahren die Sprache entdeckte, war das Performative im Textinhalt ein wichtiges Element. Go. Yes. Solche Wörter wurden zu körperlich ausgeführten Handlungen. Martina-Sofie knüpft mit ihrer Arbeit an diese Erfahrungen an. Sie lässt Sprache und alphabetische Zeichen auf grossformatige Plakate und Blätter drucken und bringt sie in ein Verhältnis zum Gesprochenen. So wie in der zweiten Arbeit ‹Scream›, 2019, die im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen anlässlich ihrer Ausstellung zum Manor-Preis zu sehen ist: Ein grosser, offener Raum konfrontiert uns einmal mehr mit Wörtern, diesmal gedruckt auf Plakaten an den Wänden klebend und gesprochen aus sechs Audio-Quellen. Die weiblichen Stimmen überlagern, verflechten sich, verwischen, stören einander, schreien, stöhnen, atmen. Ein anschwellendes Vibrieren füllt den Raum. Das Publikum geht den eng aneinandergereihten Wörtern auf den Plakatwänden entlang und bemerkt, dass Bedeutung von Klang und Wortzeichen miteinander zu tun haben: Scream, You, Hear. Die Körperlichkeit der Stimmen verbindet sich mit der Physis der den Raum umfassenden Zeichenreihen und zieht uns in einen endlosen Strudel hinein.

Jusqu'à 
16.02.2020
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Martina-Sofie Wildberger. SCREAM 28.11.2019 - 16.02.2020 exposition Schaffhausen
Schweiz
CH

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