Christo und Jeanne-Claude

Christo · Packed Public Building, Project for Allied Chemical Tower, No. 1 Times Square, in New York City, 1968, Bleistift, Buntstift, Kohle, Aquarell auf Papier, 127 x 91,5 cm, Sammlung Würth. Foto: André Grossmann

Christo · Packed Public Building, Project for Allied Chemical Tower, No. 1 Times Square, in New York City, 1968, Bleistift, Buntstift, Kohle, Aquarell auf Papier, 127 x 91,5 cm, Sammlung Würth. Foto: André Grossmann

Christo · The Umbrellas, Joint Project for Japan and USA 1984–91, Zeichnung, zweiteilig: Bleistift, Pastell, Kohle, Kreide, Emaillack, topografische Karte, Stoffmuster und technische Daten, 146,5 x 167 cm, Sammlung Würth. Foto: Philipp Schönborn

Christo · The Umbrellas, Joint Project for Japan and USA 1984–91, Zeichnung, zweiteilig: Bleistift, Pastell, Kohle, Kreide, Emaillack, topografische Karte, Stoffmuster und technische Daten, 146,5 x 167 cm, Sammlung Würth. Foto: Philipp Schönborn

Hinweis

Christo und Jeanne-Claude

Erstein — Seit wann eigentlich gibt es Künstlerpaare? Wikipedia schweigt dazu, man selbst neigt womöglich zu der Antwort: spätestens seit Christo und Jeanne-Claude. Nahezu fünf Jahrzehnte lang hatten die Dame mit der roten Mähne und der drahtige Herr mit der Brille künstlerisch zusammengearbeitet, als Jeanne-Claude 2009 starb. Man möchte das Dreamteam der Gegenwartskunst als eine Art Archetypus der gar nicht so selten anzutreffenden Spezies Künstlerpaar bezeichnen. Das Musée Würth im elsässischen Erstein zeigt nun eine Retrospektive der beiden. Angesichts ihrer durchaus temporären, vergänglichen Kunst drängt sich sofort die Frage auf: Geht das überhaupt? Kann man Christo und Jeanne-Claude ausstellen? Die Antwort ist ein klares Ja. Denn Grundlage ihrer Projekte war stets eine gründliche künstlerische Planung. Dazu zählten Zeichnungen und Skizzen, Collagen und Modelle. Mit dem Verkauf dieser vorbereitenden Realien finanzierten Christo und Jeanne-Claude ihre häufig kostspieligen Projekte. Rund 90 Arbeiten dieser Art – Entwurfszeichnungen, Planskizzen, Collagen, Fotografien und anderes – präsentiert die umfangreiche Werkschau. Mit 130 Objekten ist das Museum im Besitz ­einer der bedeutendsten Sammlungen von ­Werken der beiden. Ausgestellt sind Materialien etwa zur Verhüllung des Reichstags in Berlin, darunter ein raumgreifendes Modell. Oder zu dem Projekt ‹The Gates› im New Yorker Central Park, zum Valley Curtain in Colorado 1972, den schwimmenden Stegen im Iseosee und weiteren Aktionen. Auch einige frühe Werke Christos wie sauber verpackte Vorfahrtsschilder oder ‹Wrapped Paintings› von 1969 sind ausgestellt.
In seinen Skizzen und Entwürfen erweist sich Christo als vorzüglicher Zeichner: Die Entwurfszeichnungen, häufig in Schwarz-Weiss, sind oft eindrücklicher als die dokumentarischen Fotografien oder Filmsequenzen. In zahlreichen Kulturen ist die Maske ein Medium der Verwandlung. Im Verbergen macht sie zugleich etwas offenbar – und ermöglicht so einen neuen Blick auf die Wirklichkeit. Ebendies dürfte der Impuls der Kunst von Christo und Jeanne-Claude gewesen sein. Das Ende der Schau im Herbst 2021 fällt zeitlich zusammen mit der posthumen Verhüllung des Pariser Triumphbogens nach Christos Plänen – womöglich das letzte realisierte Werk des Künstlerpaars.

Jusqu'à 
20.10.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Christo und Jeanne-Claude 12.07.2020 - 20.10.2021 exposition Erstein
Frankreich
FR
Artiste(s)
Christo
Auteur(s)
Hans-Dieter Fronz

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