Douglas Mandry — Was bald vergangen sein wird

Douglas Mandry · Eisturm des Bossons-Gletschers, aus der Serie ‹Monuments›, 2020, Unikat, ­Litho­grafie auf gebrauchtem Gletschertuch (Geotextil), Courtesy der Bildhalle

Douglas Mandry · Eisturm des Bossons-Gletschers, aus der Serie ‹Monuments›, 2020, Unikat, ­Litho­grafie auf gebrauchtem Gletschertuch (Geotextil), Courtesy der Bildhalle

Besprechung

In seiner Einzelausstellung ‹A brief crack of light› in der Bild­halle thematisiert Douglas Mandry den Einfluss des Menschen auf die Umwelt in Werken, die historisches und zeitgenössisches Material kombinieren. Eine subtile Auseinandersetzung mit der Fragilität der Natur am Beispiel der Schweizer Gletscher.

Douglas Mandry — Was bald vergangen sein wird

Zürich — Wie muss es wohl gewesen sein, als diese Menschen den eisigen Wind auf der Haut spürten, die nicht von einer dicken Schicht Kleidung bedeckt war. Ihre fleischigen Finger in Handschuhe gestopft, die knorpeligen Ohren unter einer Mütze verstaut. Manchmal verrutschte sie, beim neugierigen Hoch- und Umherschauen zum klaren Himmel und zum kantigen Eis. Dann waren die Ohren plötzlich ungeschützt, der eisige Wind blies sie an, er drang in die Ohrmuschel und machte pfeifend auf sich aufmerksam. So muss es gewesen sein, inmitten dieser weiten Gletscherlandschaft; als niemand dort war, als es schien, dass es kein anderes Lebewesen auf der Welt gäbe. Nur das Eis, die Kälte und der Wind, welche die kleinen Menschen zu verschlucken drohten. Also musste jeder Schritt sitzen, um sie zu erklimmen, diese wunderbare und zugleich furchteinflössende Natur. Dazwischen nur schnell ein Bild, um die waghalsige Exkursion festzuhalten. Wie mutig sie doch waren, sich den Elementen zu stellen. Und wie schön sie waren, das Eis, die Kälte und der Wind.
Die historischen Aufnahmen von Schweizer Gletscherlandschaften dienten Douglas Mandry als Vorlage für seine Serie ‹Monuments›. Er suchte Amateurfotografien aus den 1920er-Jahren, die er auf Stoffe drucken liess, mit denen angesichts des Klimawandels in warmen Jahreszeiten das Gletschereis bedeckt wird, um es vor der Sonne zu schützen. Der Stoff reflektiert das Licht und verlangsamt so den Prozess des Abschmelzens. In seinen Lithografien hält Mandry mit starken Schwarz-Weiss-Kontrasten und einer nostalgischen Ästhetik eine Landschaft fest, die es nicht mehr gibt. Die Werke vergegenwärtigen nicht nur die Motive, sondern auch die verwendeten Textilien: Darauf sind Spuren von Schmelzwasser zu erkennen, die sich zu bräunlichen Flecken im Gewebe verfestigt haben. Ähnlich, wie Douglas Mandry das Resultat seiner Lithografien nur bedingt kontrollieren kann, verhält es sich auch mit seinen Fotogrammen, die ebenfalls zu dieser Serie gehören. Dafür platzierte er Gletschereis, das er von seinen Expeditionen mit nach Hause brachte, auf dem lichtempfindlichen Papier. Das schmelzende Eis breitet sich auf dem Fotopapier aus und bildet gelblich-helle bis rötlich-dunkle Flächen, je nachdem, wie viel Licht auf das Papier gelangt. Früher bedeckten die abenteuerlustigen Forschungsreisenden ihre Körper bei ihren Gletschertouren mit schützenden Stoffen; heute bedecken wir damit ein Stück Natur, das schon bald verschwunden sein wird. 

Jusqu'à 
30.01.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
DOUGLAS MANDRY - A BRIEF CRACK OF LIGHT 05.11.2020 - 30.01.2021 exposition Zürich
Schweiz
CH
Auteur(s)
Giulia Bernardi
Artiste(s)
Douglas Mandry

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