Fischli/Weiss: Snowman

Fischli/Weiss · Snowman, 2016, Kupfer, Aluminium, Glas, Wasser, Kühlsystem, 218 x 128 x 165 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel. Foto: Pati Grabowicz

Fischli/Weiss · Snowman, 2016, Kupfer, Aluminium, Glas, Wasser, Kühlsystem, 218 x 128 x 165 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel. Foto: Pati Grabowicz

Hinweis

Fischli/Weiss: Snowman

Basel — Schnee ist ein verführerisches, tückisches Material. So spontan sich daraus mit blossen Händen einfache Skulpturen formen lassen, so unerbittlich widersetzt es sich der Permanenz. Wenn diese von Dauer sein sollen, braucht es Energie. Diese Abhängigkeit haben Fischli/Weiss zum Thema gemacht, als sie 1987 eingeladen wurden, eine künstlerische Arbeit für das Kraftwerk Rheinbrücke in Saarbrücken zu machen. Die Abwärme des Kraftwerks wurde mit dem Prinzip des Kühlschranks gekreuzt, um eine Arbeit in Abhängigkeit vom Stromnetz entstehen zu lassen: eine prekäre Skulptur. Ihre Formwahl fiel auf den Schneemann: drei übereinandergestapelte Kugeln mit unterschiedlichem Durchmesser, Augen, Nase, Mund. Die Konstruktion der Figur ist allerdings um einiges aufwändiger als jene der winterlichen Gebilde aus Schnee.
Seit dem Erstling in Saarbrücken sind ab 2016 in Kollaboration mit der Kunstgiesserei St. Gallen drei Exemplare realisiert worden. Das kleine 25 x 16 x 20 cm messende, aus Polyurethanschaum geschnitzte, weiss bemalte Modell eines beflockten Schneemanns mit verschränkten Armen in einem Gehäuse markiert den Ausgangspunk des Langzeitprojekts. In einem ersten Schritt wurde ein 1:1-Modell dieser Figur aus Polystyrol gebaut, die Oberflächen nachgearbeitet. Es diente als Positiv für eine erste Version aus leitfähigem Metall, deren Einzelteile aus dünnem Kupferblech getrieben und miteinander verschweisst wurden. Vor der Montage aber wurde eine Konstruktion aus Kühlschläuchen in den Hohlkörper eingebaut. Eine besondere Herausforderung stellte der Kopf dar. Wie müssen die Gesichtsmerkmale, Augen, Nase, Mund in die Hohlform eingeschnitten werden, damit durch die Eisschicht noch eine Mimik erkennbar ist? Das Kupfervolumen mit der Kühltechnik wurde für erste Tests in einen Spezialkühlschrank mit Aluminiumgehäuse platziert. Als Zwitter zwischen Testversion, Mitarbeiter und Mitbewohner hat es Zeit auf dem Areal der Kunstgiesserei verbracht und ist immer wieder mit Wasser gefüttert worden. Während der Testphase wurde das Eiswachstum sorgfältig dokumentiert und Erfahrungswerte gesammelt. Es kam zu einer zweiten Testreihe auf die maximale Hitzeverträglichkeit des Schneemanns. Dafür wurde eine Sauna um den Schneemann gebaut und eingeheizt. Erst als nachgewiesen werden konnte, dass er auch bei Extremtemperaturen um 40 °C nicht schmilzt, wurde der Test beendet. Das Wohlergehen der Exemplare, von denen seit November eine solarstrombetriebene Variante im Garten der Fondation Beyeler steht, liegt jetzt in den Händen von Konservator*innnen und den Energiekonzepten der Institutionen, die sie angekauft haben. Zu ihrer Maintenance gehören wie bei einem herkömmlichen Kühlschrank Putzen, Düsenkontrolle und Abtauen – mit dem Unterscheid, dass dieser Kühlschrank eine «Seele» hat, die jeden Tag ein bisschen anders aussieht.

→ Park Fondation Beyeler, ab 27.11.
www.fondationbeyeler.ch
www.kunstgiesserei.ch

Artiste(s)
Fischli/Weiss
Auteur(s)
Stefanie Manthey

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