Interieur – Exterieur

Silvia Gertsch · Midnight II, 2017, Öl hinter Glas, 38 x 52 cm, Courtesy KWS Sammlung

Silvia Gertsch · Midnight II, 2017, Öl hinter Glas, 38 x 52 cm, Courtesy KWS Sammlung

Silvia Bächli · Ohne Titel, Sitzende Frau, 2003, Lithografie, 53,5 x 39 cm, Courtesy KWSSammlung © ProLitteris

Silvia Bächli · Ohne Titel, Sitzende Frau, 2003, Lithografie, 53,5 x 39 cm, Courtesy KWS
Sammlung © ProLitteris

Hinweis

Interieur – Exterieur

Burgdorf — Welche Sammlung entsteht, wenn man das Kriterium des «Figurativen» zum Kern einer Ankaufspolitik macht? Diese Frage stellt sich beim Einblick in die Sammlung der Keller-Wedekind-Stiftung. Eine Antwort wäre: Eine grosse Vielfalt … Es finden sich Arbeiten angefangen bei Silvia Bächli, die in Tusche noch vage einen Körper, mehr Volumina, andeutet, bis hin zu Chantal Michels ‹Der Träumer› – ein geniales Spiel zwischen Kulissen, bemalten Flächen und Bodypainting, das sich erst auf den zweiten Blick als Fotografie erweist. Weiter sind auch klassische Malereipositionen zu sehen, etwa Uwe Wittwers ‹Landschaft, Camp Nr. 91011›, die eine friedliche Szenerie suggeriert, aber auf eine Bildvorlage aus dem Vietnamkrieg zurückgeht.
Im Kabinett des Museum Franz Gertsch ist aktuell erstmals eine Auswahl von 30 Werken der KWS-Stiftung zu sehen. Bekannt ist sie durch ihren Kunstpreis, der alle zwei Jahre vergeben wird, doch sammelt die Stiftung auch. Dabei ist sie ihrem Gründer, dem Arzt Keller-Wedekind verpflichtet, der, aufgrund eines Streits mit den Zürcher Konkreten, das «Figurative» fördern wollte. Daraus ist seit seinem Tod 1994 eine Sammlungspraxis entstanden, die sich in rund 260 Werken der Gegenwartskunst niederschlägt.
Die Auswahl der Kuratorin Anna Wesle spielt geschickt mit dem im Titel gesetzten Begriffspaar ‹Interieur – Exterieur›, wobei die Kunstwerke quasi als assoziative Perlenkette von Ersterem zu Letzterem führen. Wir landen über Himmelsansichten gar bei zeitgenössischen Seestücken. Wesle schafft unterschiedlichste Beziehungen, sei es, dass eine intensive rote Farbe in zwei benachbarten Bildern auftritt oder dass zwei Stillleben vermeintlich auf derselben Tischfläche stattfinden, da auf derselben Höhe gehängt. Thematisch eine ziemlich gelungene Auseinandersetzung mit dem Drinnen und Draussen: Kategorien, welche wir in der Regel weniger beachten, die uns aber in der Krise plötzlich beschäftigen. Weiter finden sich einzelne sehr schöne Werke, wie etwa ein frühes ‹Interieur› von Silvia Gertsch von 1997, das durch eine fein abgestimmte, pastellige Palette von Rosa- und Orangetönen überzeugt. Doch fällt es nicht ganz leicht, sich im eher dicht gehängten Kabinett zu konzentrieren. Zugleich reicht es kaum für die Vertiefung in den Stil der einzelnen Kunstschaffenden, von denen jeweils zwei bis drei Werke vorhanden sind. Als Fazit bleibt ein im Kabinett zwar geschickt arrangierter, aber etwas gedrängter erster Einblick. 

Jusqu'à 
07.03.2021

Publicité