Lukas Hoffmann

Lukas Hoffmann · Ohne Titel (Hohenschönhausen), 2017, Silbergelatineabzug, 115,5 x 81,5 cm

Lukas Hoffmann · Ohne Titel (Hohenschönhausen), 2017, Silbergelatineabzug, 115,5 x 81,5 cm

Lukas Hoffmann · Eisenrohr, 2017, C-print, 60 x 48 cm

Lukas Hoffmann · Eisenrohr, 2017, C-print, 60 x 48 cm

Hinweis

Lukas Hoffmann

Cherbourg – «Perzeption» meint sinnliche Wahrnehmung, gemeinhin die ungerichtete, «rohe» Aufnahme von Reizen durch die Sinne. Lukas Hoffmann (*1981, Zug) betitelt damit die letzte Station seiner über das Kunsthaus Zug und das Photoforum Pasquart in den Point du Jour gelangten Ausstellung. Glaubt der Schweizer Fotograf etwa noch an ungefilterte Sinneseindrücke? Schwer vorstellbar angesichts der massenhaften Zirkulation von Bildern. Hoffmanns ­minutiöse Kompositionen, seine Naturbilder und Objekt­studien könnten gar eskapistisch wirken, jetzt, da mit Bildern maskierte Datenfluten die Realitätswahrnehmung verzerren. Kann es im «ästhetischen Kapitalismus», wie Gernot Böhme die neue Ausbeutung visuellen Begehrens nennt, noch so etwas geben wie ein unbedachtes Bild? Rasch wird klar, dass Hoffmann das gar nicht behauptet. Vielmehr macht seine Fotografie etwas schon beinahe Vergessenes: Sie lässt Ungesehenes aufscheinen. Ruhig konstruiert, analysieren seine zwischen 2017 und 2019 durchgeführten Häuserstudien Strukturen, die den Seh-Raum einrichten. «Perception» bezeichnet auch den Vorgang, etwas zu erhalten. Zum Beispiel Geld auf sein Konto. Mit Präzision unterläuft der Fotograf eine Seh-Ökonomie des Habens durch eine des Seins. Gestochene Schattenkanten auf den fotografierten Häusern sind dort nur für den winzigen Moment des Auslösens. Diese vom Bild generierte imaginäre Dauer übersteigt «rohes» Wahrnehmen, zeigt: Wir nehmen nie «einfach so» wahr, gerade dann, wenn es «so einfach» scheint. Auf fast allen Fotografien zeugen kleine offene Kanten, ein winziges Pflänzchen im Asphalt oder eine andere Störung der scheinbar unbarmherzigen Ordnung des Sehraums von Sensibilität. Empfindung, durch latente Bewegung im Bild gehalten. Das wird explizit in ‹Bronx River Avenue, NYC›. Das aus fünf Aufnahmen zusammengesetzte Bild hat der Fotograf, der seine Clichés selbst entwickelt, 2019 in einem Hausdurchgang aufgenommen. Zu hoch und zu nah für gewöhnliche Optik, liess Hoffmann sich ein Spezialobjektiv aus Japan kommen. Das gibt nun fast massstabsgetreu eine Hauswand wieder, deren Scharten ganze Leben erzählen. Die nachlässig schwarz gestrichene Wand wurde an einigen Stellen mit Gips ausgebessert. Im Lichtbild tanzen diese weissen Schatten als Figuren über den dunklen Grund. Gespenster der Moderne, erinnern sie an Dubuffets Grafitti- oder Matisses Bewegungsstudien. Hier ebenso wie in der jüngsten Serie von Rückenbildern, die Hoffmann mit einer Fachkamera in der Strasse aufgenommen hat, wird deutlich, dass Perzeptionen zwar die Welt einrichten, Letztere uns aber im fotografischen Akt auch greifbar wird: als Raum erlebter Begegnung. 

Jusqu'à 
31.01.2021

→ Le Point du Jour, bis 31.1.  ↗ www.lepointdujour.eu → Kunsthaus, bis 10.1. ↗ kunsthauszug.ch

Institutionen Pays Ville
Kunsthaus Zug Suisse Zug
Le Point du Jour France Cherbourg-Octeville
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Lukas Hoffmann 16.12.2020 - 31.01.2021 exposition Cherbourg-Octeville
Frankreich
FR
Artiste(s)
Lukas Hoffmann
Auteur(s)
J. Emil Sennewald

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