Roman Signer — Vom Einfallen der Ideen

Roman Signer, Skizze zu einer Wasserbeobachtung, 1970er-Jahre

Roman Signer, Skizze zu einer Wasserbeobachtung, 1970er-Jahre

Roman Signer, Skizze zu einer Skulptur, 2004

Roman Signer, Skizze zu einer Skulptur, 2004

Besprechung

Mit einer Ausstellung der Skizzen von Roman Signer führt das Bündner Kunstmuseum an den Punkt, wo die kreativen Ideen des Künstlers erstmals konkret werden. Seit 50 Jahren zeichnet Signer auf Zettel, Notizpapier, Servietten, Kuverts – selbst die eigene Hochzeitsanzeige ist visueller Gedankenträger.

Roman Signer — Vom Einfallen der Ideen

Chur — Signers Notate, Kritzeleien – anfänglich suchend und später bildhafte Visua­lisierungen – sind zu einem Konvolut von 3000 Blättern gewachsen. Der Künstler muss sich von Anfang an ihrer Bedeutung bewusst gewesen sein, bewahrt er die Skizzen doch sorgsam in Blechbüchsen auf. Das ist sein Fundus, aus dem er schöpft, Ausgangspunkt für Skulpturen, Installationen und Aktionen. Dabei kann ein Gedankenblitz Jahre zuvor zu Papier gebracht worden sein, bevor der zündende Funke für eine Realisierung springt.
Bereits beim Abstieg in die Ausstellungsräume im Bündner Kunstmuseum wird die Besucherin akustisch auf Signers Welt eingestimmt, durch die Installation mit zwei Regenschirmen, die abwechslungsweise mit Luftdruck in die Höhe katapultiert werden und sich dabei öffnen. Im nächsten Raum steht die Skulptur ‹Fass mit Wasser›. Auf dem Grund liegt eine russische U-Boot-Uhr – ein Beispiel für Signers lakonischen Humor. In axialer Anordnung verschränken diese Arbeiten den Neubau mit den intimen Räumen des grafischen Kabinetts der Villa Planta. Hier wird anhand von 160 Skizzen Einblick gewährt in die Keimzellen der bildnerischen Ideen. Woher fallen sie ein, Signers Einfälle? Auf diese Frage hat er einst in seiner lapidaren Art geantwortet: «Eines Morgens lag ich im Bett und hatte eine Idee und machte eine Skizze …» und «Die Ideen entstehen eher in der Badewanne oder im Bett [als im Atelier]» …
Die ‹Skizze zu einer Wasserbeobachtung›, frühe 1970er-Jahre, ist eine der ersten Arbeiten, die Signers künstlerische Haltung auf den Punkt bringen: Das Beobachten elementarer, natürlicher Kräfte – Wind, Feuer (Explosionen) und Wasser. Es ist die Faszination für das Ephemere, das ihn antreibt, Bewegung der Begriff, der sein vielgestaltiges Schaffen mit Requisiten wie Ballon, Fahrrad, Kajak etc. vereint. In der erwähnten frühen Skizze ist es die (gleichbleibende) Strömung eines Flusses, die ein Brett an einem Pfosten festdrückt und zu einer Figur im labilen Gleichgewicht fixiert. Signer hat hier wohl erstmals das Phänomen festgehalten, das ihn seither nicht mehr losliess: den Schwebezustand. So auch in der Skizze mit zwei rotierenden Ventilatoren, 2004 als Installation ausgeführt, ein flatterndes rotes Tuch dazwischen in der Schwebe gehalten. Es ist die grösste Signer-Ausstellung, die je realisiert worden ist, sagt Stephan Kunz, der Kurator, zu Recht: Ist doch in Signers Skizzen das Gesamtwerk des Künstlers aufgehoben. Zur Ausstellung ist das Buch ‹Roman Signer – Skizzen 1970–2000› erschienen.

Jusqu'à 
17.01.2021

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