Simon Krebs — Poetische Verfremdung

Simon Krebs · Kriminelle Nüsse, 2011, Fotografie, 26 x 33 cm

Simon Krebs · Kriminelle Nüsse, 2011, Fotografie, 26 x 33 cm

Besprechung

Unscheinbares verwandelt Simon Krebs in Besonderes, aus Hohlräumen schält er Objekte und aus Staubpartikeln lässt er ein Bild entstehen. Ausgefallene Fundstücke deutet er in ­seinem schöpferischen Labor humorvoll um und lädt sie, durch ­ungewöhnliche Verknüpfungen, mit neuen Qualitäten auf.

Simon Krebs — Poetische Verfremdung

Basel — Mehr als nur «in Ordnung» ist die Ausstellung ‹It’s ok – isn’t it?›. Kuratiert von Franca Schaad sind hier Leuchtbilder, Projektionen, Drucke, Objekte und Fotografien von Simon Krebs (*1984) in einer gelungenen Anordnung zu erleben. Der vielseitig engagierte Künstler erhielt 2016 den Kulturförderpreis der Stadt Basel, 2019 gewann er mit Catalan Heat den Best Swiss Video Clip Award der Solothurner Filmtage und er ist Mitbegründer verschiedener Kunstinitiativen in Basel. Der Ausstellungsraum an der St. Alban-Vorstadt ist von warmem Licht erfüllt, das eine fast magische Stimmung ausstrahlt. Dazu hat der Künstler die schmalen Galeriefenster mit farbigen Flächen abgedunkelt, deren geometrische Muster auf dem Boden spielen. Als visuelles Echo nehmen die Wandobjekte die Rautenmotive auf. Weiter hinten, wo das Licht abfällt, tauchen fünf monströse Köpfe mit dunklen Augenhöhlen auf.
Diese Fotografien sind nicht leicht zur identifizieren. Die Suche nach Indizien führt zu einer quasi wissenschaftlichen Vitrine mit aufgespiessten Gebilden. Hier erweisen sich die unheimlichen Gesichter als von Mäusen zerfressene Walnüsse. Die ‹Kriminellen Nüsse› führen weiter ins Verbrechermilieu und eröffnen ungeahnte Bezüge. Mit Sprachwitz bezieht sich Simon Krebs auf ‹Portraits des criminelles russes›, einen Text von Cesare Lombroso (1835–1909), dem Begründer der Kriminalanthropologie in Italien. Krebs führt mit seiner ironischen Analogie Lombrosos üble These eines zum Kriminellen prädestinierten Menschentypus ad absurdum.
In der Verbindung von Natur und Technik entsteht auf feinsinnige Weise scheinbar Kosmisches. Begleitet von einem kleinen Trabanten erscheint ein grosser Himmelskörper auf einem Screen. Es ist der vergrösserte Querschnitt eines Zucchetto, der von einem altertümlich wirkenden Gerät projiziert wird. Auch der kleinere Planet entsteht durch das Verdampfen von alten Präparaten auf Objektträgern, die der Künstler auf dem Flohmarkt gefunden hat. Der Blick von Simon Krebs verwandelt scheinbar Banales in Besonderes, auch wenn er nur ein leeres Blatt Papier kopiert. Hier wird ein winziges Stäubchen nach 600-facher Transformation im Kopierprozess zu einem ästhetischen Konglomerat aus hellen und dunklen Inseln. Was ist Gestaltung, was Zufall? Nicht die sichtbare Erscheinung der Dinge, sondern deren wundersame Verfremdung wird hier zum poetischen Ereignis.

Jusqu'à 
06.02.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
It's ok - isn't it? 30.10.2020 - 06.02.2021 exposition Basel
Schweiz
CH
Artiste(s)
Simon Krebs
Auteur(s)
Iris Kretzschmar

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