Susan Philipsz und Roni Horn

Susan Philipsz · Seven Tears, 2016, Siebenkanal-Vinyl-Installation, Ausstellungsansicht Fondation Beyeler. Foto: Pati Grabowicz

Susan Philipsz · Seven Tears, 2016, Siebenkanal-Vinyl-Installation, Ausstellungsansicht Fondation Beyeler. Foto: Pati Grabowicz

Roni Horn · You are the Weather, Ausstellungs­ansicht Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2020. Fotos: Mark Niedermann

Roni Horn · You are the Weather, Ausstellungs­ansicht Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2020. Fotos: Mark Niedermann

Hinweis

Susan Philipsz und Roni Horn

Basel/Riehen — Eine Spezifik der Architektur, die von Renzo Piano für die von Ernst Beyeler begründete Sammlung gebaut wurde, ist die variable Nutzung der Räume. Sie lassen sich zu Rundgängen fügen, deren Verhältnis und Gewichtung sich immer wieder neu bestimmen lässt. Das Lichtspektrum, der jahreszeitliche Wechsel und die Akustik bereichern das Repertoire kuratorischer Arbeit. Aktuell werden sie für eine Sammlungspräsentation genutzt, die in den benachbarten Räumen akustisch angestimmt wird, sodass sich die Wahrnehmung vom Schauen auf das Hören verlagert. Hier wird die Klanginstallation ‹Seven Tears› der Künstlerin Susan Philipsz erstmals gezeigt, nachdem sie für die Sammlung angekauft wurde. Zu hören sind einzelne Töne, die Philipsz mit blossen Fingern und unterschiedlich gefüllten Wassergläsern erzeugte. Deren Tonlage geht auf das für Laute und Gamben komponierte Stück ‹Lacrimae …› von John Dowland aus der Zeit um 1600 zurück. Phillipsz übersetzt sieben Arten von akustischen Tränen aus der getragenen Melodik zu einem Sound, der über Plattenspieler in schlichtem Design entsteht. Die Geräte sind auf weissen Sockeln platziert, die mit ihrer textilen Front auf die umliegenden Wände Bezug nehmen. Sie sind einzeln und in leichter Überschneidung in der Rhythmik eines langsamen Tanzes zu hören, der einzig dann unterbrochen wird, wenn sich die Tonabnehmer von den Vinylplatten abheben, um sich an einer anderen Stelle wieder abzusenken und den Reigen von Neuem zu beginnen. Im Verzicht auf die menschliche Stimme und jegliche Bildlichkeit werden Tränen durch die Arbeit in ein Zeichen tiefer, intimer, privater Emotionen übersetzt und ihre «emotive and psychological properties» auf eine nichtsprachliche Ebene überführt. Zudem nimmt ‹Seven Tears› den Dialog mit der Sammlung auf. Damit wird deutlich, was die Künstlerin meint, wenn sie sagt, dass sich über ein Gefühl für den Ort neue Zugänge zu Werken von van Gogh und Cézanne ergeben können: «I have used sound as a medium to trigger an awareness in the listener to temporarily alter their perception of themselves in a particular place and time.» Dass sich ihr jetzt eine von Theodora Vischer kuratierte Fokus-Ausstellung von ‹You are the Weather› von Roni Horn anschliesst, war nicht geplant. Diese Setzung eröffnet nicht nur ein weiteres Zwiegespräch zwischen zwei zeitgenössischen künstlerischen Positionen, sondern auch der Besucher*innen mit sich selbst.

Jusqu'à 
28.03.2021

→ Fondation Beyeler, bis 28.3.; ‹Roni Horn – You are the Weather›, Fondation Beyeler, bis 17.1.; auf der Website: Artist Talk, Susan Philipsz mit Thomas D. Trummer, Kunsthaus Bregenz ↗ www.fondationbeyeler.ch

expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Roni Horn «You are the Weather» - Fokus-Ausstellung 10.10.2020 - 17.01.2021 exposition Basel/Riehen
Schweiz
CH

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