Zu Tisch — Unsere Ernährung: Lust, Druck und Verantwortung

Zu Tisch, Ausstellungsansicht Vögele Kulturzentrum, 2020. Foto: Katharina Wernli

Zu Tisch, Ausstellungsansicht Vögele Kulturzentrum, 2020. Foto: Katharina Wernli

Zu Tisch, Ausstellungsansicht Vögele Kulturzentrum, 2020. Foto: Maurice Grünig

Zu Tisch, Ausstellungsansicht Vögele Kulturzentrum, 2020. Foto: Maurice Grünig

Besprechung

In den letzten Jahren haben sich viele Ausstellungen auf das Wechselspiel von Essen und Kunst eingelassen. Nun ruft auch das Vögele Kulturzentrum in Pfäffikon ‹zu Tisch› und präsentiert eine Schau, die sich den künstlerischen und den gesellschaft­lichen Aspekten des Themas zu gleichen Teilen widmet.

Zu Tisch — Unsere Ernährung: Lust, Druck und Verantwortung

Pfäffikon — Essen und Kunst haben immer schon heftig miteinander geflirtet. In den letzten zehn Jahren aber sind sie besonders oft als Schmusepärchen in die Öffentlichkeit getreten, wie zahllose Ausstellungen illustrieren. Wobei auffällt, dass gastro­phile Künstlerinnen und Künstler heute manchmal fast wie Wissenschaftler vorgehen, um ihre Arbeiten zu entwickeln. Derweil sich die Nahrungswissenschaftler gerne künstlerischer Darstellungsweisen bedienen, um ihre Gegenstände anschaulich zu machen. Man fragt sich fast, ob sich die zwei nicht zu ähnlich geworden sind.
Das Essen ist in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem Problem mutiert, zu einer gesellschaftlichen Kampfzone, in der philosophische, ökologische und ökonomische Grabenkriege ausgetragen werden. Eine Ausstellung zum Thema muss deshalb, so scheint es, auch immer beweisen, dass sie sich all dieser Fragen sehr wohl bewusst ist, was vielen Projekten einen leicht enzyklopädischen Charakter verleiht. Auch im Vögele Kulturzentrum in Pfäffikon ist das nicht anders, wo die Verantwortlichen ­etwa hälftig Kunstwerke und im weitesten Sinn nahrungswissenschaftliche Beiträge zum Thema präsentieren. Der längliche Raum wurde so aufgeteilt, dass sich die Kunst mehrheitlich an der Wand findet, derweilen die Exponate zum Essen als gesundheit­liches, ökologisches oder kulturelles Phänomen eher auf einer Reihe von Tischen Platz gefunden haben, die sich wie ein Darm durch die Ausstellung schlängelt.
Als Besucher schlendert man also zwischen eher künstlerischen und eher ernährungsdidaktischen Exponaten hin und her, was durchaus abwechslungsreich ist. Und natürlich macht man dabei so manche Entdeckung. Auf der Kunstseite etwa einen ironischen Werbefilm von Austin Stewart, der Legehühnern mit einer Virtual-Reality-Brille den Alltag in Batteriehaltung verschönern will. Und auf der wissenschaftlichen Seite zum Beispiel das Display einer Zürcher Forschungsgruppe, die das ökologische Gewicht von Nahrungsmitteln bestimmt, indem sie Umweltbelastungspunkte vergibt. Obwohl das Erlebnis in Pfäffikon befriedigend ist, schleicht einem doch die Frage nach, wie viel eine Schau zum Thema Essen und Kunst noch leisten kann. Vielleicht ist es bei diesem vielarmigen, in alle möglichen Gesellschaftsfragen ausgreifenden Thema schlicht nicht mehr möglich, einen eigenen Ansatz zu finden, müssen zu viele Dinge korrekt abgehandelt werden. Oder kann es sein, dass das flirtendende Paar, Essen und Kunst, allmählich den Glanz aus den Augen verliert?

Jusqu'à 
21.03.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Zu Tisch 10.11.2020 - 25.07.2021 exposition Freienbach
Schweiz
CH
Auteur(s)
Samuel Herzog

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