Hans-Peter Feldmann

Hans-Peter Feldmann · David, ­glasfaser­verstärkter Kunststoff, poliert, Farbe, 114 x 30 x 37 cm © ProLitteris

Hans-Peter Feldmann · David, ­glasfaser­verstärkter Kunststoff, poliert, Farbe, 114 x 30 x 37 cm © ProLitteris

Hans-Peter Feldmann · Schuhe (Guess), ­Schuhe, Reissnägel, 17 x 21 x 19 cm © ProLitteris

Hans-Peter Feldmann · Schuhe (Guess), ­Schuhe, Reissnägel, 17 x 21 x 19 cm © ProLitteris

Hinweis

Hans-Peter Feldmann

Zürich — Rembrandt mit Clownnase, goldene High Heels mit Reissnägeln, ein Haus aus Klappmetern: Hans-Peter Feldmanns (*1941) Arbeiten sind voller Humor. Die Retrospektive in der Francesca Pia Galerie trägt dem Rechnung: Die Schau, die mehr als vierzig Jahre seines künstlerischen Schaffens umfasst, zeigt den in Düsseldorf geborenen Provokateur als obsessiven Sammler des geordneten Chaos, unsystematischen Archivar des Alltags und epigonenhaften Porträtisten.
Müssen Souvenirs in die Hosentasche passen? Mitten im Raum steht auf einem Sockel eine Plastik, die Michelangelos ‹David› reproduziert. Von dieser im Original monumentalen Marmorskulptur sind in Florentiner Touristenshops kleine Replikas zu kaufen. Feldmanns ‹David› ist zwar deutlich grösser als diese massen­produzierten Artikel. Aber in seiner Ästhetik ist sein ‹David› kaum von den kitschigen Nippes zu unterscheiden, die der Künstler eine Zeitlang in der Kölner Innenstadt in einem Souvenirshop verkaufte. Nur anders als ihr Original, das schon längst zu einem Wahrzeichen der Stadt am Arno avanciert ist, bringt sein ‹David› bewusst keine grosse Kunstfertigkeit zum Ausdruck. Vielmehr überdehnt Feldmanns Figur mit ihrer gelben Elvis-Tolle und dem schweinchenfarbenen Inkarnat die Grenze zum Kitsch.
Die Art, mit der Feldmann in dieser Plastik Kategorien wie Kitsch und Kunst durcheinanderbringt, steht auch Pate für andere seiner Arbeiten. Den Auftakt der Retrospektive etwa bildet die Kopie eines Rembrandt-Porträts, dem der Künstler eine Clownnase verpasst hat. Durch den spitzbübischen Scherz zieht er die würdevolle Erscheinung dieses holländischen Barockkünstlers ins Lachhafte. In solchen Gesten manifestiert sich nicht nur seine Ablehnung gegenüber dem Kult des Künstlergenies, sondern auch gegenüber der Idee des Originals und der musealen Erhabenheit. Entsprechend legt es Feldmann auch nicht darauf an, seine Arbeiten als Einzelstücke auszuweisen. So wirken seine ausgestellten Objekte, Bilder und Fotografien weniger wie Kunstwerke in einem Museum als vielmehr wie eine Auslegeordnung skurriler Sammlerstücke eines Kuriositätenkabinetts. Den Charakter einer Auslegeordnung vermitteln auch seine fotografischen Serien. Ob in ‹1 Pfund Erdbeeren› oder ‹alle Kleider einer Frau› erinnern die einzeln abgebildeten Objekte in ihrer Zusammenschau an Memory-Karten oder eine Bauananleitung, die sich ad absurdum erweitern liesse.
Mit der einfachen Machart folgt Feldmann dem Credo, gemäss dem Kunstwerke nicht teuer und einzigartig sein sollen, sondern billig und schnell herzustellen. Da scheint es nur konsequent, dass seine Stillleben keine aufwendig gemalten Ölgemälde sind, sondern an die Wand geschraubte Töpfe mit Plastikblumen.

Jusqu'à 
15.01.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Hans-Peter Feldmann 13.11.2021 - 05.02.2022 exposition Zürich
Schweiz
CH
Auteur(s)
Tiziana Bonetti
Artiste(s)
Hans-Peter Feldmann

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