doing family

doing family, Kinderzimmer der Familie ­Baldenstein, 2022, Ausstellungsansicht Vögele Kulturzentrum. Foto: Katharina Wernli

doing family, Kinderzimmer der Familie ­Baldenstein, 2022, Ausstellungsansicht Vögele Kulturzentrum. Foto: Katharina Wernli

doing family, Ausstellungsansicht Vögele Kulturzentrum mit Werken von Isabelle Krieg (Skulptur vorne links) und Caroline Minjolle (Wand hinten) © ProLitteris. Foto: Katharina Wernli

doing family, Ausstellungsansicht Vögele Kulturzentrum mit Werken von Isabelle Krieg (Skulptur vorne links) und Caroline Minjolle (Wand hinten) © ProLitteris. Foto: Katharina Wernli

Hinweis

doing family

Pfäffikon SZ — «Eine Familie wie aus dem Bilderbuch», heisst es oft, wenn alles so aussieht, wie das gesellschaftliche Ideal es vorschreibt: Vater, Mutter, zwei Kinder, Wohnung tiptop aufgeräumt, Waschküchenschlüssel korrekt weitergegeben, Ruhezeiten eingehalten. Nur das Kellerabteil birgt ein Geheimnis, welches lieber dort geblieben wäre. Schicht für Schicht wird der Begriff – oder Mythos? – Familie im Vögele Kulturzentrum in ‹doing family› mit sechs Themenbereichen und 55 Exponaten aufgefächert. Vier Hörstationen mit Geschichten der Familie Baldenweg bilden den zentralen Handlungsstrang, bei dem besagtes Kellerabteil eine wichtige Rolle spielt, weil dort eine Flasche herumkullert. Es stellt sich hier eine der zentralen Fragen: Was geben wir im engen Familienverbund preis, und was möchten wir lieber für uns behalten? Nebst interaktiven Installationen und Videos mit Fachgesprächen befassen sich auch ein Dutzend Künstler:innen mit dem Universum ‹Familie›. So beobachten uns Hanna Nitsch (*1974, Freiburg/B) und ihre Kinder aus ihren grossformatigen Zeichnungen, und Johan Bävman (*1982) porträtierte ‹Swedish Dads›, die sich mehr in die Familie einbringen, als das tradierte Rollenbild es vorsieht. Nesa Geschwend (1960–2022) legte mit ‹Gefaltete Erinnerungen› einen Steingarten textiler Skulpturen aus, für die sie die Bettwäsche ihrer von zu Hause ausgezogenen Kinder verwendete; Isabelle Krieg (*1971, Fribourg) baute Jacken aus ihrem Leben zu einem Hügel auf, der uns einem aufgeschnittenen Gugelhopf gleich in sein Innerstes blicken lässt. Zwei Sofas bilden Leseinseln, und ein grosser Tisch lädt zum Spielen ein. Wie viele Familien spielen heute noch am Stubentisch, würfeln drei Mal die Sechs und müssen alle Figuren wieder nach Hause bringen? In jenes Zuhause, das eigentlich Geborgenheit schenken sollte und es doch so oft nicht tut – viele Beziehungen zerbrechen in den ersten vier Lebensjahren des Kindes. Der Weg vom werbetechnischen Idyll zur realen Hölle in den eigenen vier Wänden ist manchmal kurz und beginnt unmerklich mit einer zu grossen To-Do-Liste: Wer macht wann was? Man ist eingeladen, das mithilfe verschieden farbiger Knöpfe auf einer Magnettafel selbst auszuprobieren. Der reiche Rundgang zeigt, dass die eingangs erwähnte Kleinfamilie nicht notwendigerweise die einzig gültige Lebensform zu sein braucht. Diese Erkenntnis ist aber noch nicht überall angekommen. 

Jusqu'à 
19.03.2023

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