Joan Jonas

Joan Jonas · Reanimation, 2010/2012/2013, Mixed-Media-Installation, Ausstellungsansicht Haus der Kunst, München © ProLitteris. Foto: Maximilan Geuter

Joan Jonas · Reanimation, 2010/2012/2013, Mixed-Media-Installation, Ausstellungsansicht Haus der Kunst, München © ProLitteris. Foto: Maximilan Geuter

Joan Jonas · 1968, 16mm-Film übertragen auf Video, 5’37’’, Ausstellungsansicht Haus der Kunst, München © ProLitteris. Foto: Maximilian Geuter

Joan Jonas · 1968, 16mm-Film übertragen auf Video, 5’37’’, Ausstellungsansicht Haus der Kunst, München © ProLitteris. Foto: Maximilian Geuter

Hinweis

Joan Jonas

München — Fast sieht man Zephir, den Windgott von Botticellis Venusgeburt, aus vollen Backen blasen: In Joan Jonas’ Performance ‹Wind›, die 1968 an einem stürmischen Tag am Strand von Long Island stattfand, nehmen es fünf Akteur:innen mit der Natur auf. Letztere spielt quasi die Hauptrolle, indem ihre Kraft die Bewegung, Richtung und den Rhythmus der Choreografie bestimmt.
Als eindrucksvolle Projektion ist das Video, in dem der heilige Ernst der Kunst auf den leisen Bildwitz des Stummfilms trifft, nun Teil der umfassenden Einzelausstellung der New Yorker Künstlerin im Münchner Haus der Kunst. Sie war bereits für 2018 angesagt, musste aber aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage, in die das Haus unter Okwui Enwezor geraten war, verschoben werden. Nun reiht sich Jonas (*1936) – nach Heidi Bucher und Fujiko Nakaya – ein in den Ausstellungsreigen von Künstlerinnen, die seit den 1970er-Jahren ihr Werk mit ähnlichen Mitteln, aber höchst eigenständig entwickelten. Bei der zweimaligen Biennale-Teilnehmerin fügen sich Performance, Film, Malerei und Installation zum Gesamtkunstwerk. Charakteristisch sind dabei die enge Verbindung von Zeichnung und Video sowie literarische Bezüge, etwa zu Texten von Emily Dickinson oder Halldór Laxness. So auch in der zentralen Mixed-Media-Installation ‹Reanimation› – 2010 für die documenta 13 entwickelt – mit polaren Landschaften, abstrahierten Bienen-Skizzen und einer Kristallskulptur, die die Halle in ein flirrendes Lichtspiel taucht.
Aus Mythen und Märchen speist sich der Fond dieser Kunst, die um die Beziehung von Mensch und Natur kreist. Wie im frühen Video ‹Volcano Saga› nach einer isländischen Saga oder in ‹Double Lunar Rabbits›, der Legende vom Mondhasen. Und ob Vögel (‹Stream or River, Flight or Pattern›) oder Fische (‹Rivers of the Abyssal Plain› und ‹Moving Off the Land II›), stets lässt Jonas sich – nahe am Aktivismus – von der bedrohten Vielfalt einer Spezies zu poetischen Bildreflexionen inspirieren. Nicht alles wirkt dabei so eingängig wie ‹Wolf Lights›, 2004/05, in dem eine maskierte Performerin vor den Leuchtreklamen von Las Vegas umhertänzelt. Um ihr Werk in Bleibendes zu verwandeln, versteht Joan Jonas es als Work in Progress und verarbeitet wie in ‹Cones› und ‹Stage Sets› einstige Requisiten zu Installationen. Darüber hinaus brachte sie in München ‹Mirror Piece I & II› einmalig zur Aufführung. Ihre Schau vermag es allerdings nicht ganz so gut wie die der beiden Vorgängerinnen, das Ephemere lebendig werden zu lassen. 

Jusqu'à 
26.02.2023
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Joan Jonas 09.09.2022 - 26.02.2023 exposition München
Deutschland
DE
Artiste(s)
Joan Jonas
Auteur(s)
Roberta, De Righi

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