La montagne en perspective

Laurence Bonvin · Aletsch Negative, 2019, HD-Video, 4:3, Farbe, Ton, 11’30’’

Laurence Bonvin · Aletsch Negative, 2019, HD-Video, 4:3, Farbe, Ton, 11’30’’

Alexandre Calame · Cimes dans les nuages, 1859–1861, Kohle und weisse Kreide auf blauem Papier, 15,9 x 23,7 cm, Sammlung ­Musée d’art et d’histoire de Genève. Foto: A. Longchamp

Alexandre Calame · Cimes dans les nuages, 1859–1861, Kohle und weisse Kreide auf blauem Papier, 15,9 x 23,7 cm, Sammlung ­Musée d’art et d’histoire de Genève. Foto: A. Longchamp

Hinweis

La montagne en perspective

Genf — Sie begrüssen die Besucher:innen am Eingang des Ausstellungsraums: Barthélémy Menn, Alexandre Calame oder Albert Lugardon. Die Galerie der gemalten Porträts und Selbstporträts dieser Berühmtheiten der Alpen­malerei erzählt von einem goldenen Zeitalter in der Schweiz – und besonders in Genf. Im 19. Jahrhundert wurde die Bergwelt in der Kunst wie nie zuvor erforscht und dargestellt. Die Künstler waren oft selbst berühmte Bergsteiger und malten vor Ort, bevor sie die Bilder im Atelier überarbeiteten.
Bekannt sind aus der Sammlung des Musée d’art et d’histoire die Gemälde von Hodler, die noch immer Publikumsmagnete sind, aber hier in der Ausstellung entdeckt man spannende und weniger bekannte Werke. Zum Beispiel ‹Les coupeuses d’herbe›, ca. 1905, von Louis Patru – eine Szene aus dem Leben in den Bergen, die durch ihre virtuose Darstellung der Steilhänge überrascht und schwindelerregend wirkt. Oder Marc-Théodore Bourrits ‹Vue circulaire des montagnes›, das einen unerwarteten Blick auf die Berge aus der Vogelperspektive darstellt. Alexandre Calames einfühlsame Skizzenbücher werfen ein neues Licht auf diesen für seine hochromantischen Ansichten berühmten Künstler.
Unter den abgebildeten Gipfeln nimmt die lokale Berühmtheit, der Mont Blanc, einen besonderen Platz ein. Historische Werke sind neben zeitgenössischen ausgestellt, sehr grosse Formate neben sehr kleinen. Die winzigen Vignetten von Michel Grillet zum Beispiel befinden sich unweit von Laurence Bonvins beeindruckendem Videostück, das wandfüllend projiziert wird: ‹Aletsch Negative›, 2019, ist ein Experimentalfilm, der das Schmelzen des grössten Schweizer Gletschers mithilfe einer Montage aus Fotografien und Tönen dokumentiert. Man hört das Eis flüstern und knacken: Es ist lebendig.
Ausgehend von einem bekannten – man könnte fast sagen banalen – Motiv haben die Kuratorinnen Sylvie Aballéa und Mayte Garcia eine prägnante Schau konzipiert, die den ökologischen Aspekt nicht ausser Acht lässt. Fast alle Kunstwerke stammen aus der Sammlung des Museums. Besonders wertvoll ist der Audioguide, der in der Ausstellung selbst mittels QR-Code oder im Internet zugänglich ist und die visuelle Reise in die Berge auf literarische, poetische und musikalische Weise bereichert. In Genf sieht man die Berge von oben, von unten, aus der Ferne, aus der Nähe, von allen Seiten … und doch kann man nie genug davon bekommen. 

Jusqu'à 
12.02.2023

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