Migration(s)

Fabien Clerc · Döner Kebab : Tales of a successful integration, 2022, gefärbte und gemischte Tone, 100 x 40 x 40 cm. Foto: Boris Dunand

Fabien Clerc · Döner Kebab : Tales of a successful integration, 2022, gefärbte und gemischte Tone, 100 x 40 x 40 cm. Foto: Boris Dunand

Patricia Glave · La cabane – The Shelter, 2022, geformtes und gegossenes Porzellan, Stoff, Draht, Eisen, gebrannt bei 1280 °C. Foto: Boris Dunand

Patricia Glave · La cabane – The Shelter, 2022, geformtes und gegossenes Porzellan, Stoff, Draht, Eisen, gebrannt bei 1280 °C. Foto: Boris Dunand

Hinweis

Migration(s)

Genf — Das Thema des 50. Kongresses der Internationalen Akademie der Keramik (AIC) lautete ‹Melting Pot› und wurde Anlass zu einer Reihe von Ausstellungen in der Schweiz (→ KB 11/2022, S. 68). Das historische Schweizer Keramik- und Glasmuseum Ariana in Genf beherbergt die Ausstellung, welche die AIC als Wettbewerb für ihre internationalen Mitglieder konzipiert hat. Unter dem Titel ‹Migration(s)› wurden die 33 ausgewählten Keramikkünstler:innen aus zwanzig Ländern aufgefordert, ein neues Werk für die Ausstellung zu schaffen.
Der Begriff, der Interpretationen auf mehreren Ebenen zulässt, wurde auf sehr unterschiedliche Weise behandelt. ‹Migration› bezieht sich gleichermassen auf die chemischen Prozesse beim Brennen von Keramik wie auf Multikulturalismus und Globalisierung. Die Tatsache, dass man sich im Ariana nur wenige Schritte vom Sitz der Vereinten Nationen und des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes entfernt befindet, gibt der Ausstellung eine politische Dimension. Das Ergebnis ist oft inhaltlich spannend und formal erstaunlich.
So gibt der Kolumbianer und Schweizer Fabien Clerc seine eigene Version des Themas mit einer Reihe von höchst realistischen Kebabs: Die ufeinanderliegenden Schichten symbolisieren die verschiedenen Phasen der Globalisierung (Migration, Assimilation, Integration) und veranschaulichen fast wortwörtlich das Konzept des ‹Melting Pot›. Die chinesische Keramikerin Yanze Jiang entwirft zwei eindrucksvolle Stadt- und Landpanoramen aus Keramikabfällen mit «Wabenstruktur», um die Landflucht zu thematisieren. Die Spanierin Montserrat Altet Girbau hat das Wort «Home» wie ein klassisches Gemälde in einen goldenen Rahmen eingefasst und auf ein weisses Porzellanstück gegossen. Die Schweizerin Patricia Glave liess sich von den bescheidenen Hütten inspirieren, die von Migrant:innen errichtet wurden. Die daraus entstandene fragile Hütte aus weissem Porzellan verbindet eine tragische Aktualität mit einer märchenhaften Vorstellungswelt. Hoch minimalistisch ist das Porzellanboot von Norma Rodney Haarack, das die Geschichte der Einführung der Keramikkunst durch den britischen Künstler Bernard Leach im Jahr 1948 in Jamaika erzählt.
Organisch, realistisch, konzeptuell oder abstrakt – die zeitgenössische Keramik verfügt über eine breite Palette an Ausdrucksmitteln. Die Ariana-Ausstellung bietet wieder ­einmal die Gelegenheit, die sehr aktive zeitgenössische Keramik-Kunstszene zu bestaunen. 

Jusqu'à 
19.03.2023
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Migration(s) 13.09.2022 - 19.03.2023 exposition Genève
Schweiz
CH

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