Das Klo im Rampenlicht

Lily Cursed · Mutt R, 2019, Fotografie

Lily Cursed · Mutt R, 2019, Fotografie

Bethan Huws · Où sont les toilettes, s’il vous plaît?, 2018, weisse Neonröhre, Argon, auf Plexiglas, Transformator, 8 x 173 cm, Galerie Tschudi, Zuoz; Sarah Lucas, The Old In Out, 1998, Polyurethan. Foto: Peter Baracchi

Bethan Huws · Où sont les toilettes, s’il vous plaît?, 2018, weisse Neonröhre, Argon, auf Plexiglas, Transformator, 8 x 173 cm, Galerie Tschudi, Zuoz; Sarah Lucas, The Old In Out, 1998, Polyurethan. Foto: Peter Baracchi

Hinweis

Das Klo im Rampenlicht

Rapperswil — ‹Toilettengeschichten› – ein naheliegendes Thema für den Ausstellungsraum in der Alten Fabrik, der ehemaligen Fertigungshalle des Geberit-Konzerns in Rapperswil. Im Jahr 101 nach deren Grundsteinlegung ist das WC Betrachtungsgegenstand einer Ausstellung – «Spot on» auf das Klo also. Gewisse Vorbehalte kann man sich da schwer verkneifen. Was hat man in einer Ausstellung über die Toilette zu erwarten? Zuerst mal: Es ist weder ein historischer Abriss über die Kloschüssel noch eine Nabelschau des Sanitär-Giganten. Auch wenn ein Überblick über die wichtigsten technischen Entwicklungsschritte bei Geberit integriert ist – anhand von Werbeplakaten der vergangenen Jahrzehnte. Tatsächlich versammelt die Ausstellung künstlerische Perspektiven auf einen Ort, an dem sich Abgründe, Ungereimtheiten und Widersprüche auftun. Das stille Örtchen als Spiegel der Gesellschaft? Nicht ganz. Aber als Schauplatz für vieles, was sie bewegt und was sie im wörtlichen Sinne hervorbringt. Weniges von dem sieht, hört oder riecht man gerne. Und trotzdem – jeder hat sich schon das nächste WC herbeigesehnt. Die gezeigten künstlerischen Arbeiten bewegen sich zwischen den anziehenden und den abstos­senden Momenten des stillen Örtchens. ‹Où sont les toilettes, s’il vous plaît?› bringt Bethan Huws das mit einer Leuchtschrift zum Ausdruck. Sie nimmt dabei einmal mehr Bezug auf Marcel Duchamp und seine berühmte ‹Fountain›. Seine ‹Fountain›? – an der Autorschaft des weltberühmten Urinals bestehen inzwischen berechtigte Zweifel. Mehrere Künstlerinnen wurden eingeladen, eine Hommage an die mögliche Urheberin, die Deutsche Elsa von Freytag-Lothringen zu realisieren. Eine sehenswerte Erweiterung der Urinal-Interpretationen um rein weibliche Vorschläge – Frauen im Männerraum sozusagen. Auf dem Klo verschränken sich solche Genderfragen mit vielen weiteren sozialen, biologischen, kulturgeschichtlichen und ideologischen Aspekten. Die Tabuzone ist eine unerschöpfliche Fundgrube für Kunstschaffende. Hier lässt sich das Innere nach aussen kehren oder transparent machen, was sonst verborgen ist. Das verbildlicht die durchsichtige Kloschüssel von Sarah Lucas oder auch die Kamerafahrt durch die Zürcher Kanalisation von Fischli/Weiss. Die Kuratorin der Ausstellung ist Josiane Imhasly (*1986), die zuletzt ihre vierte und letzte Ausstellung im Rahmen des Nachwuchsprogramms KURATOR* in der Alten Fabrik abgeschlossen hat.

Jusqu'à 
13.10.2019
Institutionentrier par ordre décroissant Pays Ville
Alte Fabrik Suisse Rapperswil-Jona
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Spot on. Toilettengeschichten 24.08.2019 - 13.10.2019 exposition Rapperswil-Jona
Schweiz
CH

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