Dig Drill Dump Fill — Bilderbücher und Kindermusik der 1970er

Dig Drill Dump Fill Push Pull Empty Full – Bilderbücher und Kindermusik der 1970er, Ausstellungs­ansicht Kunsthaus Langenthal, 2019. Foto: Cédric Eisenring

Dig Drill Dump Fill Push Pull Empty Full – Bilderbücher und Kindermusik der 1970er, Ausstellungs­ansicht Kunsthaus Langenthal, 2019. Foto: Cédric Eisenring

Leslie Thronton · Peggy and Fred in Hell – The Prologue, Video, 1985, Ausstellungsansicht Kunsthaus Langenthal, 2019, Courtesy Electronic Arts Intermix. Foto: Cédric Eisenring

Leslie Thronton · Peggy and Fred in Hell – The Prologue, Video, 1985, Ausstellungsansicht Kunsthaus Langenthal, 2019, Courtesy Electronic Arts Intermix. Foto: Cédric Eisenring

Besprechung

Im Zuge der 68er-Bewegung wurde das Kind als gesellschaftlicher Akteur entdeckt: Das zeigen gegenwärtig 500, oft experimentell gestaltete Bilderbücher und Tonträger in Langenthal. Die Kombination mit aktuellen Videoarbeiten wirft dabei die Frage nach dem Potenzial auf, das wir Kindern heute zutrauen.

Dig Drill Dump Fill — Bilderbücher und Kindermusik der 1970er

Langenthal — «Wer sagt, dass Mädchen dümmer sind [...] der spinnt, der spinnt, der spinnt!» heisst es im Theaterstück ‹Mensch Mädchen!› von Stefan Reiser 1978. Mal die freie Entfaltung im Fokus, mal didaktische Emanzipation verfolgend, so werden Kinder in den Siebzigerjahren angesprochen – Arlie Hochschilds pionierhaftes Kinderbuch ‹Coleen – The question girl› 1974 krempelt gar die Universität um. Neben Feminismus sind in der Schau ‹Dig Drill Dump Fill Push Pull Empty Full – Bilderbücher und Kindermusik der 1970er› Themen wie Naturschutz oder Kapitalismuskritik allgegenwärtig. Aus den eigenen Sammlungen haben die Buchgestalterin Carmen Tobler, der Kurator Luca Beeler und der Künstler Cédric Eisenring einen vielschichtigen Einblick kuratiert, wobei sie die Plattensammlung des Direktors Raffael Dörig gleich mitintegrierten. Zum Entdecken lädt die «künstlerische» Szenografie aus eingebauten, thematischen Kuben mit Hörstationen ein. Sie ergibt neue Räume und legt zugleich ihre Konstruktion aus Gipsplatten offen. Vorgefundene Gegenstände, wie die silbernen Stühle des Museumscafés, neu als Schaustücke im «Psychedelischen Raum» integriert, schaffen Bezüge zu den Exponaten, und die alten Abdeckungen der Neonröhren, als beleuchtete Regale an der Wand angebracht, erinnern an Donald Judd. ‹Dig, Drill, Dump, Fill› von Tana Hoban (1917–2006) – Teil des lautmalerischen Ausstellungstitels – stellt in Fotografien ohne Worte Baumaschinen vor, die fast körperliche Eindrücke hinterlassen. Die Arbeitsweise der Künstlerin mit einfachen Symbolen oder Gegensätzen ist ein Beispiel für die gestalterischen Experimente der gezeigten Medien. Bücher und Schallplatten von Andy Warhol oder Ilja Kabakov unterstreichen ebenfalls die Allgegenwart neuer künstlerischer Strategien und Eigenverlage. Der Protagonist in Jörg Müllers ‹Der Bär, der ein Bär bleiben wollte› steht etwa als «unrasierter Faulpelz» vor dem Boss, da er sich nicht einreiht. Zwischen Kultur- und Kunstgeschichte lädt die Schau zum Stöbern in den Büchern ein und hinterfragt Ideale von Kindheit. So probt in Tobias Madisons Video­arbeit ‹das blut, im fruchtfleisch gerinnend beim birnbiss› von 2016 eine Kindergruppe gar den Aufstand gegen die «autoritäre» Erwachsenenwelt. Steht eine Revolution an? Und sollten Themen, wie sie die progressive Genfer Buchhandlung la Dispersion in ihrem Verlagsprogramm ‹propagandio› mit den Tags «#afrofeminism» oder «#transidentities» versieht, heutige Kinderbücher prägen?

Jusqu'à 
10.11.2019
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Archiv für Kindermedien 29.08.2019 - 10.11.2019 exposition Langenthal
Schweiz
CH

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