Ellen Cantor

Ellen Cantor · Sleeping Beauty, 1996, Bleistift auf Holz, 132 x 224 cm

Ellen Cantor · Sleeping Beauty, 1996, Bleistift auf Holz, 132 x 224 cm

Ellen Cantor · Untitled, 2007, Bleistift, Farbstift und Collage auf Papier, 50 x 37 cm

Ellen Cantor · Untitled, 2007, Bleistift, Farbstift und Collage auf Papier, 50 x 37 cm

Hinweis

Ellen Cantor

Zürich — Vielleicht mag sich die eine oder der andere noch an den Skandal erinnern, den eine geplante Ausstellung von Ellen Cantor (*1961, Detroit – 2013) im Helmhaus im Oktober 1995 auslöste. Nachdem die Künstlerin in wochenlanger Arbeit mit Bleistift, Neonmarkern und Dispersion eine Art erotischen Lesben-Comic auf die weissen Wände gezeichnet hatte, befand der damalige Stadtpräsident Josef Estermann, dass die Kunst den «Tatbestand der Pornografie» erfülle. In der Folge wurde Cantors Ausstellung ‹Oh Pain Oh Life› gar nie eröffnet. Zum damaligen Unverständnis ihrer Kunst gegenüber, geboren aus einer zwinglianischen Prüderie, äusserte sich Helmhaus-Direktor Simon Maurer: «Ellen Cantor zeichnet sich durch ihren vielschichtigen Umgang mit dem Thema der Sexualität aus: Zugleich witzig und voll hartem, süssem Ernst bewegt es sich auf den vielverzweigten Erfahrungspfaden der Sexualität. Und sehnt sich paradox nach ewiger Jungfräulichkeit.» Schon ganz früh, als Cantor im berühmten New Yorker Chelsea Hotel wohnte, wo auch Patti Smith und Robert Mapplethorpe hausten, hatte sie zu ihrem Stil gefunden. Inspiriert vom Hollywoodkino und von Pornofilmen thematisierte sie mit Zeichnungen, Videoarbeiten, Fotografien und Texten immer wieder Darstellungsmöglichkeiten des weiblichen Verlangens. In bald zarten, bald heftigen Arbeiten, die sie oft zu «story board»-ähnlichen Erzählreihen verband, transformierte sie dieses ins Märchenhafte. Später wanderte sie nach London aus, zeigte ihre Kunst in vielen europäischen Städten. Ein Jahr nach dem Skandal präsentierte Nicola von Senger in seiner damaligen Galerie ars futura Cantors erotische, direkt an die Wand gezeichnete, mit Fotos, Collagen und Videos bestückte Bildergeschichten. Da dem Galeristen die Wandzeichnungen so einzigartig erschienen, wollte er sie unbedingt retten. Mit einer Säge trennte er die Wände sorgfältig heraus und rahmte die Zeichnungen unter Glas. Nach 23 Jahren hob er sie aus der Versenkung und präsentiert sie nun neben älteren Arbeiten. Sie bestechen durch einen tagebuchartigen Gestus. Die gestisch gezeichneten Figuren, Blumen und Ornamente erinnern an Comic- und Kinderzeichnungen und wirken oft hingekritzelt. Sie sind mit Notizen und scriptartigen, schablonenhaften Satzfragmenten kombiniert und widerspiegeln Cantors Gratwanderung zwischen dem Imaginären und dem Realen, dem Intimen und dem Exhibitionistischen. 

Jusqu'à 
26.10.2019
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Ellen Cantor 30.08.2019 - 26.10.2019 exposition Zürich
Schweiz
CH
Auteur(s)
Dominique von Burg
Artiste(s)
Ellen Cantor

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