Hans Arp — Das Runde und das Eckige

Hans Arp · Schalenbaum, 1947, Bronze, 96,9 x 49 x 46,2 cm, Courtesy Fondation Beyeler, Riehen © ProLitteris. Foto: Urs Baumann

Hans Arp · Schalenbaum, 1947, Bronze, 96,9 x 49 x 46,2 cm, Courtesy Fondation Beyeler, Riehen © ProLitteris. Foto: Urs Baumann

Besprechung

Hans Arps organische Plastiken und die geschwungenen Konturen seiner Reliefs sind ideale Partner für die gerade, gebaute Linie. Seine Werke rhythmisieren die strengen Gebäudeformen und sind in ihrem Anspruch, Kunst und Architektur zu verbinden, noch immer wegweisend für Kunst-am-Bau-Projekte.

Hans Arp — Das Runde und das Eckige

Appenzell — Hans Arp (1886–1966) hat Bauplastiken entworfen, hat architektur­bezogen gearbeitet, hat Werke ortsspezifisch für den öffentlichen Raum konzipiert. Das ist wenig überraschend und beinahe allgemein bekannt. Umso erstaunlicher ist es, dass diese oft grossformatigen Arbeiten kaum je Gegenstand von Publikationen und noch nie von einer Ausstellung waren. Das Kunstmuseum Appenzell und die Fondazione Marguerite Arp in Locarno schliessen nun diese Lücke. Mit ‹Public Arp› stellen sie Arps baubezogene Werke in den Kontext seines Schaffens und zeigen, wie sie von der Vision einer Synthese der Künste getragen sind. Die Ansprüche waren hoch: Nach dem Zivilisations- und Kulturbruch der Nazizeit ging es darum, wieder ästhetische Zeichen der Moderne zu setzen und an die früheren Errungenschaften anzuknüpfen. Architektur und bildende Kunst standen dabei gleichberechtigt auf einer Stufe. Dank der Verbindung beider sollte die Architektur ein menschlicheres Gesicht erhalten – ein Anliegen, für das sich insbesondere der Schweizer Architekturhistoriker Siegfried Giedion (1888–1968) einsetzte. Arp schätzte dieses Engagement und war gern bereit, daran mitzuwirken. Die Ausstellung fokussiert auf zehn Hauptwerke, darunter nahgelegene und fernere. Zu ersteren gehört die Universität St. Gallen. Für deren brutalistischen Betonkörper sollte Arp ursprünglich ein Relief beisteuern. Installiert wurde aber – aus gesundheitlichen Gründen musste Arp kürzertreten – schliesslich der ‹Schalenbaum›, 1960. Die Bronzeplastik vor einem Bassin rechts des Haupteingangs markiert den Übergang zum Aussenraum und hat bis heute nichts von ihrer Präsenz verloren. Arp arbeitete immer wieder für Bildungsinstitutionen und leistete damit auch einen Beitrag an die visuelle Erziehung; vorgestellt werden etwa auch die Pestalozzischule Zürich, das Harvard Graduate Center, die ­Universität Caracas, die Technische Universität Braunschweig und die Allgemeine Gewerbe­schule Basel sowie weitere Arbeiten beispielsweise für Kirchen. Vorbereitende Skizzen und Zeichnungen, Kartonentwürfe für die Reliefs und Modelle, Archivmaterial sowie historische und aktuelle fotografische Dokumentationen sind zu sehen. Zudem sind den ortsbezogenen Arbeiten andere Plastiken Arps zur Seite gestellt; damit greift der Dialog zwischen Architektur und Kunst auch auf den beispielhaften Museumsbau über.

Jusqu'à 
03.11.2019
Artiste(s)
Hans Arp
Auteur(s)
Kristin Schmidt

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