Max Bill — Magische Ordnungen

Max Bill, Camille Graeser und Hans Hinterreiter (v.l.n.r.) · Konstruktives Kabinett, 2019, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Winterthur, 2019 © ProLitteris. Foto: Reto Kaufmann

Max Bill, Camille Graeser und Hans Hinterreiter (v.l.n.r.) · Konstruktives Kabinett, 2019, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Winterthur, 2019 © ProLitteris. Foto: Reto Kaufmann

Verena Loewensberg · Konstruktives Kabinett, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Winterthur, 2019. Foto: Reto Kaufmann

Verena Loewensberg · Konstruktives Kabinett, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Winterthur, 2019. Foto: Reto Kaufmann

Besprechung

Konkrete Kunst ist mehr als ein Kapitel in der Kunstgeschichte, die Langzeitausstellung im Kunstmuseum Winterthur zeigt es. Und veranschaulicht, was Max Bill vor siebzig Jahren in seinem Manifest zur konkreten Kunst sagte: «sie ordnet systeme und gibt mit künstlerischen mitteln diesen ordnungen das leben.»

Max Bill — Magische Ordnungen

Winterthur — Wie inspirierend und zu grundsätzlichen Gedanken über Kunst anregend gerade auch kleinere Ausstellungen sein können, beweist das ‹Konstruktive Kabinett›, das Konrad Bitterli und David Schmidhauser Max Bill und den Zürcher Konkreten eingerichtet haben: übersichtlich, grosszügig und so gehängt, dass Eigenart und Vielfalt, aber auch der verbindende Grundklang spürbar werden. Von der 1938 entstandenen ‹Komposition X› bis zu ‹12 vierergruppen in weissem feld› aus dem Jahr 1982 reicht die auf fünf Namen konzentrierte Auswahl – alle zusammen auf ­einen Blick erfahrbar, im grossen Saal im Erdgeschoss, zu dem als weiterer Raum das kleine Kabinett gehört, das ganz Max Bill gewidmet ist. Bill, dieser vielseitige Künstler, 1908 in Winterthur geboren und vor 25 Jahren in Berlin gestorben, ist schliesslich die Hauptperson der Schau und im grossen Raum mit sechs Werken präsent, zu denen die Bilder weiterer Hauptvertreter der Zürcher Konkreten kommen: fünf der oft überraschenden Verena Loewensberg, vier von Camille Graeser, ebenfalls kein Dogmatiker, zwei des beziehungsreichen Richard Paul Lohse und zwei des weniger bekannten, ebenfalls in Winterthur geborenen musterhaften Hans Hinterreiter.
Neunzehn Gemälde, und längst nicht alle aus der eigenen Sammlung, die so viel zum Thema zu bieten hat. Doch die Werke sind so treffend ausgewählt, dass man einen guten Eindruck der erstaunlichen Bandbreite der Zürcher Konkreten bekommt und auch an die Vorgänger- und die Folgegeneration anschaulich erinnert wird. Denn die Ausstellung bezieht drei Sammlungsräume im Obergeschoss ein, wo man etwa Theo van Doesburg, Sophie Taeuber-Arp oder neu Bart van der Leck mit frischen Augen sieht und am Ende mit Joe Baer oder Agnes Martin in weitere Zusammenhänge geführt wird. Am besten beginnt man jedoch im kleinen Bill-Kabinett, bestehend aus 15 Blättern – Studien zu zwei Gemälden, das eine hier, das andere im grossen Saal zu sehen –, einer Messingskulptur und dem hübschen Selbstporträt des 17-jährigen Goldschmiedlehrlings, das alles noch offen lässt. Da kann man sich einstimmen auf die Offenheit und Freiheit, die einen sodann erwartet, mit ihren durchdachten Farb- und Formideen, den Progressionen und anderen Bewegungsvarianten, den geometrischen Kompositionen, die einem Gesetz folgen und in ihm erscheinen – nicht ohne mitunter Haken zu schlagen. Schöne Aufgaben für die Augen. Jede Betrachterin, jeder Betrachter mag da seine eigenen Urbilder entdecken. 

Jusqu'à 
02.02.2020

Publicité