Miriam Cahn

Miriam Cahn · atombombe und W+H world­trade, 2019, Ausstellungsansicht Haus der Kunst München. Foto: Jens Weber

Miriam Cahn · atombombe und W+H world­trade, 2019, Ausstellungsansicht Haus der Kunst München. Foto: Jens Weber

Miriam Cahn · abbau und unklar, 2019, ­Ausstellungsansicht Haus der Kunst ­München. Foto: Jens Weber

Miriam Cahn · abbau und unklar, 2019, ­Ausstellungsansicht Haus der Kunst ­München. Foto: Jens Weber

Hinweis

Miriam Cahn

München — Der Körper ist müde, aber das Gesicht lacht: In ‹Abbau› von 2017 malt sich ­Miriam Cahn (*1949, Basel ) selbst am Ende der Documenta 14. 2019 ist auch kein schlechtes Ausstellungsjahr für sie – zuerst Bern und Bregenz, jetzt Madrid und München: Derzeit zeigt die Malerin ihre Bilder auch im Münchner Haus der Kunst. Zu sehen sind über 200 Werke aus allen Schaffensphasen (Kuratorin: Jana Baumann) – weitgehend, aber nicht vollständig die gleichen wie in Bern. Bei der Hängung von ‹Ich als Mensch› hatte Cahn jedenfalls die «Nazi-Achse» des einstigen «Hauses der Deutschen Kunst» im Blick – womit sie in diesem Fall die Enfilade in der Nordgalerie meint. Darauf reagiert sie mehrfach und setzt gleich am Anfang mit ‹Den schönen Nazi übermalen› ein Zeichen: Der SS-Hauptsturmführer Alois Brunner organisierte als Eichmann-Gehilfe die Deportationen. Wer von hier aus durch alle Räume schaut, hat ihn mit auf dem Bild. Das Paradox vorzuführen, wie gut das ­Böse aussehen kann, ist ein wiederkehrendes Prinzip in Cahns Œuvre. Der Gegensatz von Inhalt und Ästhetik setzt sich gleich nebenan bei den ‹Atombomben› fort: kraftvoll-abstrakte Aquarellexplosionen in Pink, Gelb und Blau. Und die Schönheit des tiefen Blau im gleichnamigen Gemälde, das sich auf die tausendfache tödliche Flucht über das Mittelmeer bezieht, erzeugt subkutanen Schauder.
Die grossformatige Kreidezeichnung ‹schweigende schwester (kriegsschiff)› von 1981 wirkt indes monumental und fragil zugleich; sie verweist auf die Schwester, die sich umbrachte. ‹Doppelkanone› und ‹Ölplattform› von 1982 bringen dann – ebenso grossformatig – die Themen auf Pergament, die Cahn als Männerdomäne charakterisiert. Dem setzt sie nicht nur mit den Eisprung- (1985) und Blutungs-Arbeiten (1994) weibliche Determiniertheit entgegen. Dahinter steht eine geschlechtsspezifische Pointierung, die zum Widerspruch anregt. Die Drastik, mit der Miriam Cahn Sexualität und Gewalt, Begehren und Verletzlichkeit in ihren Figuren zum Ausdruck bringt, ist schonungslos. Ein ganzer «Sex»-Raum versammelt ihre recht expliziten Bilder. Und dass Courbets ‹Origine du monde› für Cahns ‹Le milieu du monde schaut zurück› um einen Kopf ergänzt wurde, dessen Augen durch den Schlitz eines Niqab auf den/die voyeuristische(n) Betrachtenden zurückschauen, ist ebenso provokativ wie künstlerisch konsequent. 

Jusqu'à 
27.10.2019
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Miriam Cahn 12.07.2019 - 27.10.2019 exposition München
Deutschland
DE
Artiste(s)
Miriam Cahn
Auteur(s)
Roberta, De Righi

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