Traumwelt Ägypten

Pascal Sebah · Wasserverkäufer, um 1875, ­Albuminabzug, Ägypten, Kairo, Museum ­Rietberg, Zürich

Pascal Sebah · Wasserverkäufer, um 1875, ­Albuminabzug, Ägypten, Kairo, Museum ­Rietberg, Zürich

Émile Béchard · Krokodiljagd, um 1875, Albuminabzug, Ägypten, Museum Rietberg, Zürich

Émile Béchard · Krokodiljagd, um 1875, Albuminabzug, Ägypten, Museum Rietberg, Zürich

Hinweis

Traumwelt Ägypten

Zürich — Bilder aus einer Zeit, als das Fotografieren noch eine Kunst und weite Reisen nur wenigen möglich waren; Bilder des Orients aus abendländischer Perspektive, von Ägypten, das seit Napoleons Feldzug mit seiner grossen Vergangenheit lockte und mit der Eröffnung des Suezkanals für europäische Touristen attraktiv wurde: Sie sind zu sehen in der ersten Fotoausstellung in der Park-Villa Rieter. 59 zwischen 1870 und 1880 entstandene Fotografien, fast alle aus einer Mappe, die ein unbekannter Tourist einst nach Hause brachte, werden in drei Räumen und drei Kapiteln vorgestellt, und wer sich auf sie einlässt, bekommt nicht nur eine Fülle von Geschichten erzählt, er erhält auch Einblick hinter die Kulissen. Wie nämlich das kunstvolle Bild – warmtonige, detailreiche, tiefenscharfe Albuminabzüge – die Erwartungen des westlichen Reisenden bedient, seine Vorstellungen vom märchenhaften Orient, mythisch, geheimnisvoll, erotisch: inszeniertes Orienttheater, das Schauspieler beziehungsweise Modelle als Wasserverkäufer, Schuhputzer oder Orangenverkäuferin im Studio arrangierte, Frauen den Schleier heben liess oder zur Krokodiljagd am Nil ein ausgestopftes Krokodil aufbot. Das ist raffiniert, nicht selten genrebildmässig zurechtgerückt, wie überhaupt die Versatzstücke aus der Realität echt, nur eben gegenüber der Wirklichkeit mehr oder weniger verschoben sind. Ist das erste Kapitel Menschen- und Berufs­typen und fiktiven Momenten des Alltags gewidmet, so geht es im zweiten hinaus in die grosse Stadt. Kairo, das alte Kairo interessierte die Touristen, und die Fotografen lieferten ihnen mit «typischen» Ansichten das Gewünschte – Moscheen von innen und aussen, Strassen im alten Viertel, die der Einfachheit halber alle mit «Rue du Caire» bezeichnet wurden. Das damals im Entstehen begriffene neue Kairo interessierte unseren anonymen Touristen höchstens am Rande. Im dritten Kapitel der von Nanina Guyer kuratierten Schau rückt die Vergangenheit mit ihren bedeutenden Monumenten ins Zentrum, mit Aufnahmen von Tempeln, Pyramiden, Statuen. Der Mensch ist weitgehend ausgespart oder erscheint selbst wie ein Wesen aus fernen Zeiten. Einige Fotos belegen zudem die Ägyptomanie jener Jahre. Hinter den beeindruckenden und dank der ergänzenden Texte höchst aufschlussreichen Bilder stehen, mit wenigen Ausnahmen, zwei Namen: die der in Kairo tätigen Berufsfotografen Pascal Sebah (1823–1886) und Émile Béchard (1844–?), Türke der eine, Franzose der andere, beide Meister ihres Fachs. Mögen sie mitunter trickreich gearbeitet haben: Sie haben etwas geschaffen, mit dem man sich auch heute noch gern auseinandersetzt.

Jusqu'à 
20.10.2019
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Traumbild Ägypten 20.06.2019 - 20.10.2019 exposition Zürich
Schweiz
CH
Auteur(s)
Angelika Maass

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