Howto

Film mit Beiträgen zu zehn Fertigungs­verfahren, Screening-Situation Sitterwerk, 2020. Foto: Katalin Deér

Film mit Beiträgen zu zehn Fertigungs­verfahren, Screening-Situation Sitterwerk, 2020. Foto: Katalin Deér

Musterreihen im Regal der Kunstbibliothek, Sitterwerk 2020. Foto: Katalin Deér

Musterreihen im Regal der Kunstbibliothek, Sitterwerk 2020. Foto: Katalin Deér

Hinweis

Howto

St. Gallen — Werkstoffarchiv und Kunst­bibliothek sind Teil der Stiftung Sitterwerk. Mit der aktuellen Ausstellung wird ihr Hauptraum auf dem Areal, das sie mit der Kunstgiesserei St. Gallen teilen, als Ausstellungsraum aktiviert. Seine Grundausstattung aus wandhohen Metallschränken, in denen Materialmuster in Schubladen lagern, und die Laufmeter Bücher, die sich in zwei Etagen über die gesamte Raumlänge erstrecken, bilden den Fond. In rhythmischen Abständen werden einzelne oder mehrere Regalfächer genutzt, um Musterreihen aus der digitalen Werkstatt der Kunstgiesserei und anderen Werkstätten – beispielsweise eine farbige, geblasene Kugel aus dem Atelier von Matteo Gonet – zu zeigen. Hauptelement ist ein tageslichttaugliches Kino, in dem ein rund dreis­sigminütiger Film im Loop gezeigt wird. Zehn Fertigungsverfahren vom Giessen, Biegen über Schneiden, Kleben, Filzen und Nageln folgen aufeinander in kurzen Clips, die auf Einladung der Kuratoren Julia Lütolf und Roland Früh von unterschiedlichen Fachleuten realisiert wurden. Ausgangspunkt für die Gastbeiträge war der Fundus an How-to-Videos – kurz gehaltenen Anleitungen für Laien, die im Netz frei zugänglich sind. Die Mehrheit der Beiträge kennzeichnet der Anspruch, die faktische Erläuterung des Verfahrens um kulturgeschichtliche Hintergründe zu ergänzen. So wird aufgezeigt, dass die Verwendung von Leim für Holzverbindungen nur eine Möglichkeit ist neben anderen, wie die Fixierung mit künstlichen Nägeln. Aus Anlass der Ausstellung ist eine digitale Plattform für Kurzvideos zu elementaren Techniken eingerichtet worden, die im Open-Source-Verfahren weiterwachsen soll. Sie steht als Touchscreen-Station im Übergang zum hinteren Teil der Ausstellung, wo drei Videoarbeiten von Raphael Hefti, Camille Henrot und Elizabeth Price gezeigt werden. In ‹User Group Disco›, 2009, problematisiert Price Fragen von Klassifikation mit Definitionen, Textteilen und Slogans, die klarstellen, dass es bei jeder Ordnung von Dingen immer auch um eine universale Theorie geht. Das Sitterwerk markiert mit der Ausstellung das Interesse an einer «Dynamischen Ordnung» und moderiert die Prozessdokumentation als Arbeitsgebiet an.

Jusqu'à 
31.10.2020

Publicité