Sandra Knecht

Sandra Knecht · my land is your land, 2020, Archival Pigment Print auf Newpaper, 136 x 90 cm, 1/7 + 2 AP. Foto: Eva Kurz

Sandra Knecht · my land is your land, 2020, Archival Pigment Print auf Newpaper, 136 x 90 cm, 1/7 + 2 AP. Foto: Eva Kurz

Hinweis

Sandra Knecht

Zürich — Leben hat immer, überall und ständig mit Transformation zu tun. Das zeigt sich nirgends so alltäglich wie beim Essen, ohne das es kein Leben gibt. Eng damit verbunden ist für uns Menschen auch das Kochen, das eine Art Vorverdauung darstellt, ohne die uns so manches Kraut giftig, so manches Korn zu hart bliebe.
Transformation ist auch das Kerngeschäft von Sandra Knecht und das Oberthema ihrer gegenwärtigen Ausstellung in der Galerie Stephan Witschi in Zürich. ‹My land is your land› lautet der Titel der Schau, in der Knecht «mittels Kunst und Kochen untersucht, was Heimat und Identität ausmacht».
Doch bevor es zu Tisch geht, tritt uns in der Ausstellung zunächst die Künstlerin selbst verwandelt entgegen: Auf grossformatigen Farbfotos erscheint sie im schwarzen Anzug vor dunklem Hintergrund, schwer behängt mit Perlenketten, eine Lucha-Libre-Haifischmaske auf dem Kopf, umhüllt von farbigem Rauch, umhüpft von ihren Ziegen. Identität und Kostüm, Rolle und Spiel, Geschlecht und Maskerade – alles Elemente einer «Selbstbefragung», wie sie Knecht versteht.
Heimat wird in der Ausstellung mitunter auch im Glas präsentiert, in Gestalt von Wildkräutern in Alkohol, einheimischen Schlangen und Fischen in Formaldehyd. Ihnen zur Seite stehen Gläser mit Essigmuttern, diesen Urtieren der Transformation. Man kann sie als eine Überleitung zum Thema Kochen verstehen, das in der Ausstellung selbst allerdings nur am Rande mitschwingt.
Dafür veranstaltet die Künstlerin drei ‹Chnächt­ässe›, in deren Rahmen sie gekochte Hommagen an Künstlerinnen serviert, die für sie wichtig sind. Für Miriam Cahn etwa dekonstruiert sie ein Club-Sandwich, denn zwischen den Toastscheiben klemmen die wichtigsten Farben der Malerin. Audre Lord wird mit einem Rezept aus ihrer Autobiografie geehrt und Kristin T. Schnider bekommt eine einzelne Schweizer Garnele auf Eis, mit Kräuterschnaps. Insgesamt vierzig solcher Rezepte will Sandra Knecht in den nächsten Monaten entwickeln und sie sollen schliesslich auch in einem Buch zusammenfinden, zu einem eigenen Werk werden. Bei Tisch versteht man denn auch sofort, was die Künstlerin meint, wenn sie sagt: «Ich benutze Geschmack, wie Maler Farben benutzen.» Und Geschmack ist ja auch das Element, dank dem sich das Essen nicht nur in Zucker, Fett und Eiweiss transformiert, sondern auch in Gefühle und nicht zuletzt in Sprache. 

Jusqu'à 
10.10.2020

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