Anne Imhof

Anne Imhof · untitled (natures mortes), 2021, Öl auf Leinwand; Sieben Tafeln, je 250 x 175 cm; Passage, 2021, Glas, Stahl, Holz, Acryl, Galerie Buchholz, Sprüth Magers. Foto: Andrea Rossetti

Anne Imhof · untitled (natures mortes), 2021, Öl auf Leinwand; Sieben Tafeln, je 250 x 175 cm; Passage, 2021, Glas, Stahl, Holz, Acryl, Galerie Buchholz, Sprüth Magers. Foto: Andrea Rossetti

Anne Imhof · untitled, 2017, Öl auf Leinwand, 300 x 190 cm; Room VI, 2021, Stahl, Glas; 235,5 x 220 x 310 cm, Courtesy Galerie Buchholz, Sprüth Magers. Foto: Andrea Rossetti

Anne Imhof · untitled, 2017, Öl auf Leinwand, 300 x 190 cm; Room VI, 2021, Stahl, Glas; 235,5 x 220 x 310 cm, Courtesy Galerie Buchholz, Sprüth Magers. Foto: Andrea Rossetti

Hinweis

Anne Imhof

Paris – Es raunt, schrammelt, kreischt im ersten Teil des «totalen polyphonischen Werks», wie die Direktorin des Palais de Tokyo Emma Lavigne die Ausstellung nennt, mit der Anne Imhof (*1978, Giessen) – nach Ugo Rondinone oder Pierre Huyghe – die gesamten 22’000 Quadratmeter ihres Hauses füllen durfte. Der Sound erinnert an ‹Faust›, mit der sie 2017 in Venedig den goldenen Löwen gewann. In Paris läuft ‹Sound Rail I› auf Schienen an der Decke, gibt die Stimmung dieser «carte blanche» vor: grossspurig, allusiv, nostalgisch die Moderne auskehrend. Ihre Partnerin, die sechs Jahre jüngere Eliza Douglas, ist als Malerin und Komponistin erfolgreich. Bei Imhof ist sie Abziehbild, stellt ihren hageren, androgynen Körper aus, die Arme ausgebreitet, silberne Schuhe, zerfetzte Jeans, streng dreinblickend wie die Hardrock-Oper-Version des Engels der Geschichte. Der Wagner-Gestus der in Frankfurt am Main lebenden Meisterin manipulativer Ambientes lässt sich freilich lesen wie eine Überbietung der Allmacht ästhetischer Ökonomie. In dieser dominiert, wie es 2016 Gernot Böhme treffend in ‹Ästhetischer Kapitalismus› dargestellt hat, «der Tauschwert den Gebrauchswert». Es geht nurmehr um Inszenierung durch starke, die Wahrnehmung ganz einnehmende Oberflächen: «Die Warenästhetik wird zur gestaltenden Kraft.» Im Palais de Tokyo, Tempel solcher Kraft im Ausstellungsbetrieb, dreht Imhof den Spiess um: Nicht stellt das Kunstzentrum sie aus, sie macht das postindustriell mit Abriss-Charme lockende Haus zum Teil ihres Gesamtkunstwerks. Grosse, abgenutzte, mit Graffitis beschmierte Scheiben von einem leerstehenden Bürogebäude strukturieren den Raum. Farbverläufe auf Grosstafeln gemahnen an werbewirksame Sonnenuntergänge. Performance-Möblierung mit viel Edelstahl ans Gestell unserer Zeit. Imhof wandelt mit Matratzen, Grabschmuck, Spiegelglas die Kunst der Kollegen zu Souvenirs in der Götzendämmerung. Egal womit: Wie man hört, lieh nicht sie, sondern Emma Lavigne, die ehemalige Leiterin des Pompidou Metz, die Werke aus. Imhof speist sie ins Mega-Kunststillleben ein: gerötelte Körper- und Pferdestudien von Gericault und Delacroix, eine Studiofotografie von Cy Twombly, Cady Nolands ‹Tanya As A Bandit›, ein grosses Werk von Joan Mitchell oder sogar Sigmar Polkes Spätwerk ‹Axial Age›. Kunsterfahrung dient der Stimmungsmache, Imhofs eigene Bilder wirken dazwischen wie schwachbrüstiger Fin-de-Siècle-Kitsch. Kunst nach Imhof ist ein hohlwangig barocker Abgesang heiss gelaufener Warenästhetik. Der Rest ist Schweigen. 

expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Anne Imhof – Natures Mortes 22.05.2021 - 24.10.2021 exposition Paris
Frankreich
FR
Artiste(s)
Anne Imhof
Auteur(s)
J. Emil Sennewald

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