Annelies Štrba

Annelies Štrba · In Betlis, 2005, Pigmentdruck auf William Turner Papier, 24 x 36 cm

Annelies Štrba · In Betlis, 2005, Pigmentdruck auf William Turner Papier, 24 x 36 cm

Annelies Štrba · Shereen in Cottingley, 2008, Pigmentdruck auf W. Turner Papier, 24 x 36 cm

Annelies Štrba · Shereen in Cottingley, 2008, Pigmentdruck auf W. Turner Papier, 24 x 36 cm

Hinweis

Annelies Štrba

Castasegna — Über dem Zoll, der das Veltlin vom Bergell trennt, erhebt sich die Villa Garbald, das einzige Gebäude des ETH-Erbauers Gottfried Semper auf der Alpensüdseite. Es beherbergt heute neben einem Seminarzentrum die Fondazione Garbald. Andrea Garbald, der kinderlose Erbe eines kulturfreundlichen und weltoffenen Zollbeamten und seiner Frau, hat Anfang des 20. Jahrhunderts als Berufsfotograf konsequent die Bergeller Bevölkerung porträtiert. Dieser beeindruckende Fundus von 900 Fotografien wurde im Estrich der Villa entdeckt und wird nun vom Bündner Kunstmuseum Chur archiviert.
In diesem Kontext ist das Ausstellungsprojekt Villa Garbald entstanden mit Schwerpunkt Fotografie. Jedes Jahr bespielt eine Fotografin oder ein Fotograf die Räume der Villa und des neuen Annexbaus der Architekten Miller & Maranta. Die Wahl von Annelies Štrba überzeugt in mehrfacher Hinsicht. Zum einen weist ihre Arbeit Parallelen zum Werk von Garbald auf, zum anderen passen ihre Sujets perfekt in die klausenartigen Räume.
Beide, Štrba und Garbald, untersuchen ihr nächstes Umfeld. Die Zürcher Künstlerin lichtet seit Jahrzehnten Familienszenen ab in intimen, fast geheimnisvollen Räumen. Die ­Modelle – zunächst ihre drei Kinder, dann ihre fünf Enkel – integrieren sich visuell perfekt in ihrem Umfeld. Die Aufnahmen sind meist Halbtotalen, nur sehr selten rückt die Kamera den Figuren auf den Leib. Die Räume spielen so in der Komposition eine Hauptrolle, denn sie schaffen eine mysteriöse, entrückte Stimmung. Wir Betrachtenden stehen mittendrin und werden Teil der Familie. Es sind inszenierte, aber nie gestellte Bilder, entweder schwarz-weiss oder sehr bunt. Die Farblichkeit wird digital nachbearbeitet und verstärkt.
Bei den schwarz-weissen Porträts der Bergeller Frauen von Andrea Garbald hingegen handelt es sich um Studioaufnahmen. Das Kameraauge ist auf die Büste, seltener auf den ganzen Körper der Abgelichteten gerichtet. Der Umraum ist neutral und kaum lesbar.
Verbunden sind beide Arbeiten über die zentrale Rolle der Frau als Motiv. Beide Positionen sind dem Piktorialismus verpflichtet, aber während Garbald an die rationalen Kategorien von Sanders neuer Sachlichkeit erinnert, wähnen wir uns bei Štrba eher in der Postromantik der Präraffaeliten. Bewusst wurden die Fotografien der Serie ‹Noonday› in kleinen Bilderrahmen sorgfältig in den Hotelzimmern platziert und es wurde auf eine installative Interaktion mit dem Raum verzichtet. Mit dieser Art der traditionellen Hängung, die wir eher aus Privaträumen kennen, wird die Intimität der Bilder und ihr Zusammenhang mit dem häuslichen Kontext unterstrichen. Die Rechnung geht auf. 

Jusqu'à 
25.06.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Annelies Štrba – Noonday 03.07.2021 - 25.06.2022 exposition Castasegna
Schweiz
CH
Auteur(s)
Barbara Fässler
Artiste(s)
Annelies Štrba

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