Armand Schulthess

Armand Schulthess, ca. 1970. Foto: Ingeborg Lüscher © ProLitteris

Armand Schulthess, ca. 1970. Foto: Ingeborg Lüscher © ProLitteris

Armand Schulthess · Botschaften auf Blech­decken, ca. 1970. Foto: I. Lüscher © ProLitteris

Armand Schulthess · Botschaften auf Blech­decken, ca. 1970. Foto: I. Lüscher © ProLitteris

Hinweis

Armand Schulthess

Luzern — Armand Schulthess (1901–1972), in der Bundesverwaltung tätig, verabschiedete sich 1951 aus der Arbeitswelt und liess sich allein auf einem halb verwilderten Grundstück in Auressio im Tessiner Onsernonetal nieder. Hier richtete er sich seine höchst private Welt ein: einen Ort totaler Information über jedes ihm zugängliche Sachgebiet. Mit den mit diesen Informationen fein säuberlich beschrifteten Blechdeckeln – mehrere tausend Stück – behängte er die Bäume und Sträucher seines Anwesens. Die einen nahmen ihn als verwahrlosten Einzelgänger wahr, die anderen als genuinen Künstler und Gestalter seiner eigenständigen Welt, der sich selber aber nicht als Künstler sah. Der Fotograf Theo Frey widmeten ihm Fotoserien und Reportagen, Corinna S. Bille eine Erzählung. Auch Ingeborg Lüscher (*1936, lebt in Tegna) wurde auf ihn aufmerksam, gewann sein Vertrauen, dokumentierte seine Welt in Fotos und gab 1972 die ‹Dokumentation über A.S.› heraus. Nach dem plötzlichen Tod von Armand Schulthess liessen seine Erben die Welt dieser widersprüchlichen und zugleich höchst faszinierenden Persönlichkeit in Flammen aufgehen. Schulthess aber erlangte Weltruhm. Harald Szeemann zeigte Lüschers Fotos der Blechtäfelchen an der documenta 5. Fotografien und gerettete Relikte dieser zerstörten Welt wanderten durch Europas Museen. Lüschers Dokumentationen, Schriftstücke, Briefwechsel, Fotos – darunter anrührende Porträtaufnahmen des alte Mannes –, Blechtafeln und andere Restbestände sind nun in der Luzerner Galerie Perferia zu sehen. All das zeichnet ein anschauliches Bild von A.S. Überraschend: Weit mehr Leute als geahnt, Künstler vor allem, wussten schon in den 1970er-Jahren um Schulthess. Einige kommen in der Galerie zu Wort – zum Beispiel Kurt Sigrist und Irma Ineichen oder Gérald Minkoff, aber auch der Deutsche John Bock, der sich als «Schulthess-Fan» outete. Der Aarauer Künstler Max Matter, der sich selber auch mit A.S. befasste, wandte sich 1972 kritisch an Ingeborg Lüscher: Es gebe kein Recht auf Information über die intimen Dimensionen der persönlichen Lebensführung von Schulthess. Das auf die Ausstellung hin zusammen mit einem Reprint der längst vergriffenen Publikation Lüschers von 1972 erschienene Buch der Edizioni Periferia über Schulthess gibt diesem verständlichen Einwand Raum – verständlich darum, weil Schulthess selber kein «Kunst­wollen» an den Tag legte und bei allen Widersprüchen Begegnungen mit der Aussenwelt fast immer scheu aus dem Weg ging. Die erwähnte Periferia-Publikation bringt zahlreiche, auch neue Beiträge zu Schulthess, seinem Werk und seinem Nachleben und vervollständigt das Bild dieses Künstlerlebens.

Jusqu'à 
09.10.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Armand Schulthess 21.08.2021 - 09.10.2021 exposition Luzern
Schweiz
CH
Auteur(s)
Niklaus Oberholzer
Artiste(s)
Armand Schulthess

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