Gabi Fuhrimann und Rahel Scheurer — Im Wunderland Malerei

Rahel Scheurer · Verwunschen, 2021, Tempera und Kunstharz auf Baumwolle, 160 x 130 cm

Rahel Scheurer · Verwunschen, 2021, Tempera und Kunstharz auf Baumwolle, 160 x 130 cm

Besprechung

Wann überschreitet Abstraktion die Grenze zur Gegenständlichkeit? Mit Gabi Fuhrimann und Rahel Scheurer zeigt der Raum im Benzeholz zwei Künstlerinnen aus zwei Generationen, die in ­ihrer Malerei die Grenzen zwischen Mimesis und Abstraktion sowie zwischen Realität und Imagination ausloten.

Gabi Fuhrimann und Rahel Scheurer — Im Wunderland Malerei

Meggen — Den Auftakt zur Ausstellung bilden Aquarelle von Gabi Fuhrimann (*1958). In diesen Arbeiten manifestiert sich das Faible der Künstlerin für die Welt der Mode und das Motiv des bekleideten Frauenkörpers. Changierend zwischen abstrakten und realitätsbezogenen Elementen verbindet die Künstlerin skizzenhaft Gegenstände zu anekdotenreichen Kompositionen. So tauchen in einem Aquarell mit drei schwebenden Erdbeeren vor einem rosa-gelb lasierten Dunstschleier zwei Frauenfiguren auf. Ein ganz anderer Charakter ist den Porträts auf Altholz eigen: Hier avanciert der Bildträger durch die unter dem Farbauftrag durchscheinende Maserung des Holzes zu einem eigenständigen Bildelement von bisweilen objekthafter Präsenz. Auch die auf einem Sockel stehende vorder- und rückseitig bemalte Holztafel ‹ohne Titel›, 2006, wirkt skulptural. Sie zeigt auf einer Seite ein Porträt von Billie Holiday. Gekleidet in ein buntkariertes Cocktailkleid, das übergangslos mit der Karomusterung des Hintergrunds verschmilzt, wirkt die US-amerikanische Jazzsängerin wie eine Gefangene.
Auch Rahel Scheurer (*1987) arbeitet mit unkonventionellen Bildträgern: So malt sie eine Katze auf die Sitzfläche eines Biedermeierschemels. Das Tier wurde wegen seiner zu einem Schmollmund heruntergezogenen Mundwinkel in den ­sozia­len Netzwerken berühmt. Die Kombination von antikem Möbel und unzufriedener ­Katze weckt Assoziationen an die verstaubte Wohnung einer Person, in der selbst das Haustier an Depressionen leidet. Ähnlich wesenhafte Züge tragen die wie in einer Ahnengalerie präsentierten Hasenporträts auf Tondi. Rundformen kommen als ­Mise-en-abyme auch in den magisch-realistischen Leinwänden vor. In grossformatigen Malereien wie ‹Hochsitz mit Nachtkatze und Taghase›, 2020, oder ‹Verwunschen›, 2021, tauchen in magisch leuchtenden Waldansichten als Bild im Bild weitere Bäume und Tiere auf. Helle Farbkleckse deuten im Mondlicht glänzendes Efeu oder eine Blumenwiese an und machen das Abstrakte gegenständlich fassbar. Prononcierte Hell-Dunkel-Kontraste erzeugen räumliche Tiefe. Zusammen mit dem ‹Fellbaum›, 2021, ­einem in Kunstpelz gehüllten Baumstrunk, treten die gezeigten Arbeiten in ­einen ­regen Dialog. Von einem Ventilator angeblasen wirkt das Fell seltsam lebendig.
Die räumlich getrennt gezeigten Positionen wahren ihre Eigenständigkeit. Dennoch werden Parallelen deutlich: Beide suchen nach einer eigenen figurativen Sprache und experimentieren mit unkonventionellen Bildträgern.

Jusqu'à 
10.10.2021

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