Hans Emmenegger

Hans Emmenegger · Spiegelung auf dem Wasser oder Kleiner Dampfer, sich im Wasser spiegelnd, 1909, Öl auf Leinwand, 85,5 x 150,5 cm, Kunstmuseum Luzern, Depositum Stiftung Best Art Collection (Bernhard Eglin-Stiftung)

Hans Emmenegger · Spiegelung auf dem Wasser oder Kleiner Dampfer, sich im Wasser spiegelnd, 1909, Öl auf Leinwand, 85,5 x 150,5 cm, Kunstmuseum Luzern, Depositum Stiftung Best Art Collection (Bernhard Eglin-Stiftung)

Camille Spiller · Finding Hans, 2021, Video, 3’06’’

Camille Spiller · Finding Hans, 2021, Video, 3’06’’

Hinweis

Hans Emmenegger

Lausanne — Sie suche Hans, so die junge Frau vor dem Bahnhof Luzern. Hans Erni? Nein, Hans Emmenegger …, ob ihn vielleicht jemand kenne? Camille Spiller, die Fragestellerin, hat als eine von dreizehn Studierenden der ECAL eine Carte Blanche erhalten, sich Emmenegger aus der Gegenwart zu nähern. Und sie wird sich, so viel sei verraten, am Ende einer überraschenden Begegnung erfreuen. Stellvertretend für viele, möchte man anfügen. Denn anders als in der Deutschschweiz, wo Emmeneggers Werk in Luzern und Aarau dank grosser Eigenbestände respektive in Kooperationen mit dem Sammler Peter Suter wiederholt zu sehen war, ist der Künstler in der Romandie selbst der Fachwelt oft unbekannt. Dies ändert sich nun mit einer reichhaltigen Schau der Fondation de l’Hermitage. Mit rund achtzig Bildern nimmt sie die kühnen Kompositionen des Innerschweizers in den Blick, motivisch gegliedert, in intimen, farblich abgestimmten Räumen, was dem nur leicht gefilterten Themenspektrum guttut. Böcklin, der Emmenegger in jungen Jahren die Welt bedeutet, spricht aus den Felsburgen und südlichen Landschaften, die bis etwa 1903 entstehen. In ihrer Fantastik wirken sie anfangs wie logische Nachfolger der urzeitlichen Szenen des Frühwerks. Dann aber entleeren sie sich und werden zu jenen oft horizontlosen oder besonders hoch oder tief angesetzten, fotografisch wirkenden Bildausschnitten, die Emmeneggers Modernität definieren: Hügelkuppen mit einsamen Bäumen oder Baumgruppen, Bergspitzen im Abendlicht, ornamental behandelte Schneeschmelzen und Schlagschatten, dramatisch besonnte Baumstämme, Wolkengebirge und immer wieder Wasserflächen, allen voran der Blausee. Die Motivketten ziehen sich teils über Jahrzehnte hin, sodass Stil und Duktus leicht ändern. Ihre stille Monumentalität ist aber meist von Anfang an da – ein Reduktionismus, den eingestreute Werke von Freunden und Zeitgenossen wie Amiet, Giacometti, Hodler, Vallotton noch unterstreichen. Kein Wunder, hallt Emmenegger auch bei der mittleren Künstlergeneration nach. Albrecht Schnider zum Beispiel bewundert die selbst im Kleinformat wirksame melancholische Leere und Weite, Michel Grillet die Handhabung des Raums. Stefan Banz wiederum, der als Student die Luzerner Ausstellung von 1987–88 vorbereiten half, war besonders am Thema Bewegung interessiert. Zwei Reprisen verschollener Werke erinnern daran und beschliessen die Schau mit ihren ephemeren nächtlichen Motiven auf geradezu metaphysische Art. Ein Ende, das dem im Mai überraschend verstorbenen Banz und dem Solitär Emmenegger wohl gleichermassen gefallen hätte. 

Jusqu'à 
31.10.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Hans Emmenegger 25.06.2021 - 31.10.2021 exposition Lausanne
Schweiz
CH
Artiste(s)
Hans Emmenegger
Auteur(s)
Astrid Näff

Publicité