I like a bigger garden

Josephine Troller · Das Paar, 1962, Öl auf ­Leinwand, 92 x 45 cm, Kunstmuseum Luzern

Josephine Troller · Das Paar, 1962, Öl auf ­Leinwand, 92 x 45 cm, Kunstmuseum Luzern

Ben Sledsens · Girl Lying in the Grass, 2019–2020, Öl und Acryl auf Leinwand, 230 x 210 cm, Tim Van Laere Gallery, Antwerpen

Ben Sledsens · Girl Lying in the Grass, 2019–2020, Öl und Acryl auf Leinwand, 230 x 210 cm, Tim Van Laere Gallery, Antwerpen

Hinweis

I like a bigger garden

Luzern — Die New Yorker Galeristin Betty Parsons beantwortete die Forderung ihrer Künstler Mark Rothko, Barnett Newman und Jackson Pollock, sich ausschliesslich auf die Vermarktung ihrer Werke zu konzentrieren, mit dem Satz: «I like a bigger garden» – worauf die drei der Galerie den Rücken kehrten. Luzerns Museumsdirektorin Fani Fetzer stellt diese Aussage über ihre Ausstellung mit Werken der Luzernerin Josephine Troller (1908–2004), der in Brüssel lebenden Schweizerin Charlotte Herzig (*1983) und des Belgiers Ben Sledsens (*1991). Einerseits will sie mit dem bunt blühenden Garten, der in vielen der gezeigten Werke tatsächlich eine wichtige Rolle spielt, einem zweifellos breiten Bedürfnis nach Schönheit, Farbe und Heiterkeit entgegenkommen: eine echte «Sommerausstellung» also. Andererseits will sie gleichzeitig wenig gezeigte «Berühmt­heiten» vorstellen: Charlotte Herzig ist hierzulande kaum in aller Leute Mund, auch Ben Sledsens, obwohl im Markt erfolgreich, kaum. Auch Josephine Troller ist sicher für viele eine Entdeckung. Tiefere Einblicke in ihr eigenständiges und kraftvolles Schaffen gab das Luzerner Kunstmuseum letztmals 2007, ausserhalb Luzerns gab es nie eine Einzelausstellung.
Troller, Autodidaktin, malte auf strenge Symmetrie angelegte Blumensträusse, üppige Gärten, Fabelwesen, Porträts. Sie schuf filigran-zerbrechliche Skulpturen und zeichnete. Gegenständlichkeit herrscht vor in ihrem Werk und ebenso eine ganz eigene, zauberhaft-weiche Farbigkeit. Eigenständig wie ihr Werk war sie als Person, die sich, ohne lauten Protest, aber beharrlich, nie in die Ecke Frauenkunst abdrängen liess und sich mit siebzig intensiv mit neuen Kunstströmungen auseinandersetzte – ohne sie nachzuahmen. Zudem porträtierte sie damals in Luzern präsente Künstler wie Paul Theck, Giuseppe Penone oder Jochen Gerz. Es sind keine vor dem Modell entstandenen Bildnisse, aber Zeugnisse ihres eigenen Erlebens einer in Neuland vorstossenden Kunst.
Charlotte Herzig, die ihre lichte Farbigkeit in ornamentalen Formen spontan über die ganzen Museumswände fliessen lässt und als Kontrapunkt winzig kleine Aquarelle in die Grossflächigkeit einbezieht, gibt auch Malereien von Troller Raum und kooperiert zudem mit zwei Künstlerinnen. Ben Sledsens bleibt bei «klassischer» Malerei, zeigt in klarer Formgebung und heiter gestimmter Farbigkeit Liebliches – eben passend zur Sommerausstellung. Reflexe auf Douanier Rousseau könnten an Naives denken lassen – doch gefehlt: Sledsens weiss um Strategie und Wirkung und lässt höchst professionell das erzählende Spiel Bild werden.

Jusqu'à 
17.10.2021

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