Pat Noser — Geplante Obsoleszenz

Pat Noser · Wallstreet, 2021, Tusche auf Papier, 150 x 100 cm

Pat Noser · Wallstreet, 2021, Tusche auf Papier, 150 x 100 cm

Besprechung

Schrill und chaotisch ist der erste Eindruck: Die Ausstellung im Kunstraum Baden ist definitiv kein Ort für ein kontemplatives Studium von Natur und deren Schönheit. Und trotzdem fordert uns die Künstlerin Pat Noser zum Hinsehen und Nachdenken auf: Was passiert mit der Natur und was passiert mit uns?

Pat Noser — Geplante Obsoleszenz

Baden — Der Besuch der Ausstellung von Pat Noser (*1960) hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Ihre Gemälde sind Visualisierungen von Bedrohung und Chaos, aber auch von Stille und Schönheit. Sie bezeugen Dinge, die nichts Gutes bedeuten, und zeigen, wie Ressourcen verschleudert, die Umwelt vergiftet und die Klimawerte in die Höhe getrieben werden: Pat Noser beschreibt in ihrer Malerei den Krieg, der gegen die Natur geführt wird. Die Umweltkrise ist zugleich Ausdruck einer Krise des Systems. Ein System, das mit billigen Tricks zur Steigerung des Verbrauchs arbeitet, wie etwa der «geplanten Obsoleszenz», bei der in industriellen Produkten Verschleissmaterial und Schwachstellen eingebaut werden, um die Lebensdauer – etwa von Glühbirnen – zu verkürzen: Indem der Verbrauch von Konsumgütern angeheizt wird, steigert sich die Produktionsrate – angeblich eine Bedingung des kapitalistischen Systems. Dabei wird mit dem Kapitalgewinn der Zukunft spekuliert, der sich zwangsläufig steigern muss, um den Wirtschaftskreislauf am Laufen zu halten.
Pat Nosers Akt der Malerei kann als Widerstand gegen diese Zwänge gesehen werden. Ihre Kunstwerke, für die sie meist Zeitungsfotos als Vorlage nutzt, atmen die Hingabe und Meditation eines langsamen Malprozesses. Die Menschen in Nosers Stadt-Landschaften haben sich dabei in Affen und Schweine verwandelt; menschlich beziehungsweise übermenschlich erscheinen einzig die «Ikonen»: sorgfältig porträtierte, meist positiv besetzte Persönlichkeiten unserer Zeit. Und hier regen sich beim Betrachten plötzlich ambivalente Gefühle: Wie sollen nun Nosers Botschaften gelesen werden? Die schematische Aufgliederung in gut und böse teilt die Porträtierten in zwei Lager. Hier die Aktivisten Greta Thunberg und Julian Assange und da die Waffenproduzenten Lockheed Martin und Boeing. Ist es wirklich so einfach?
Ein französischer und ein russischer Animationsfilm aus dem Programm des ‹Fantoche›-Festivals ergänzen die Schau. In dunklen Bildern wird eine Welt gezeigt, die von zwanghaften Ängsten geprägt ist. Hier lässt sich an die nicht so plakativen, subtileren Abbildungen von Pflanzengewächsen und Landschaften Pat Nosers anknüpfen – und es öffnet sich ein Raum, wo die Überzeugung wachsen kann, dass es sich lohnt, für unsere Umwelt zu leben und zu kämpfen. 

Jusqu'à 
24.08.2021

→ ‹Pat Noser – Geplante Obsoleszenz. Gedanken zum überstürzten Weltuntergang›, Kunstraum Baden, bis 24.8.; diverse Veranstaltungen im Oktober ↗ www.kunstraum.baden.ch

expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Pat Noser 28.08.2021 - 24.10.2021 exposition Baden
Schweiz
CH
Auteur(s)
Johanna Encrantz
Artiste(s)
Pat Noser

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