Christian Jankowski

Christian Jankowski · Traveling Artist, 2018, Aktion mit Hängevorrichtung aus Edelstahl, Seile, Reisegepäck, Rotationsmotor

Christian Jankowski · Traveling Artist, 2018, Aktion mit Hängevorrichtung aus Edelstahl, Seile, Reisegepäck, Rotationsmotor

Christian Jankowski · 2011, Casting Jesus, Zwei-Kanal-Video, 60’, 16:9, Farbe, Ton, ­Italienisch mit englischen Untertiteln

Christian Jankowski · 2011, Casting Jesus, Zwei-Kanal-Video, 60’, 16:9, Farbe, Ton, ­Italienisch mit englischen Untertiteln

Hinweis

Christian Jankowski

Tübingen — Einem urzeitlichen Jäger und Sammler gleich durchstreift Christian Jankowski (*1968, Göttingen) in einem frühen Video von 1992 mit Pfeil und Bogen den Dschungel der Grossstadt. Seine Beute findet er in den Kühltruhen und Regalen eines Supermarkts. Sicherheitshalber erlegt er sie mit seiner archaischen Jagdgerätschaft noch einmal, man weiss ja nie.
Der Geniestreich des 23-Jährigen ist kennzeichnend für Jankowskis Arbeitsweise wie für die Wahl seiner Themen. Die künstlerische Praxis des Aktions- und Konzeptkünstlers ist einerseits interventionistisch und gesellschaftsbezogen. Andererseits begegnet Jankowski gerade der eigenen Kultur mit der Neugier und Distanz des Völkerkundlers. Man hat ihn einen Ethnologen der Gegenwart genannt und seine Arbeitsweise als «kritische Feldforschung» beschrieben. Nicht nur ‹Traveling Artist›, für das er 2018 eine Meisterin des japanischen Kinbaku ihre Fesselungskünste an sich erproben liess, oder ‹I was told to go with the flow›, zeigt ihn in einer Überblicksschau der Kunsthalle Tübingen als Wanderer zwischen den Kulturen: in einem räumlichen Sinn, aber auch als neugieriger Testläufer durch fremde Kulturen.
Als international bekannter und gefragter Künstler kommt Jankowski viel herum. Oft setzt er sich in seinen Arbeiten mit Gegebenheiten vor Ort auseinander. Für ‹Heavy Weight History›, 2013, führte er in Warschau Sportidole und Helden der Geschichte zusammen. Zehn Gewichtheber der polnischen Nationalmannschaft bat er, auf öffentlichen Plätzen Denkmäler anzuheben wie das für Ronald Reagan. Schwer lastet, ablesbar an Mimik und Körperhaltung der Athleten, Geschichte auf uns … Für ‹Casting Jesus› liess er Mitarbeiter des Vatikans 2011 in einer Castingshow den besten zeitgenössischen Jesus ermitteln. Auch das Kunstsystem leuchtet Jankowski in Aktionen und konzeptuellen Arbeiten aus – etwa wenn er am Beispiel von Martin Kippenberger den Mythos des Künstler-Heroen unter die Lupe nimmt oder in der Serie ‹Visitors›, ab 2010, Einträge in ein Gästebuch zu seinen Ausstellungen zu Wandinstallationen aus Neon-Leuchtschrift macht. Ein früher Kommentar lautete: «Please stop you’re boring me to death». Offensichtlich hatten der oder die Schreibende keinen Sinn für Humor und ermangelten überdies eines Sensoriums für die Freiheit des Denkens und die Lust, Grenzen zu überschreiten.

Jusqu'à 
30.10.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Christian Jankowski 02.07.2022 - 30.10.2022 exposition Tübingen
Deutschland
DE

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