Gabriella Giandelli

Gabriella Giandelli · Rhabdornis inornatus, 2022, Eingangsbereich Cartoonmuseum Basel

Gabriella Giandelli · Rhabdornis inornatus, 2022, Eingangsbereich Cartoonmuseum Basel

Gabriella Giandelli · Il Vampiro transparente, 2005

Gabriella Giandelli · Il Vampiro transparente, 2005

Hinweis

Gabriella Giandelli

Basel — «1422 Ulrich Lörtschers des Schindlers Hus» steht über dem Türsturz der St. Alban-Vorstadt 28, wo das Cartoonmuseum seit 1996 beheimatet ist. Die 600-jährige Geschichte des verwinkelten Hauses samt Neubau begleitet einen knarrend auf Schritt und Tritt, während die Bilder von Gabriella Giandelli (*1963, Mailand) eine mögliche Zukunft heraufbeschwören. Denn im extra für diese Ausstellung gezeichneten Bilderreigen endete innerhalb von nur zehn Tagen die Ära des Menschen, und überdimensionierte Tiere haben die Herrschaft übernommen. Die Tür dazu öffnet sich unter den gestrengen Augen zweier prächtiger ‹Rhabdornis inornatus›, die jede Besucherin und jeden Besucher als möglichen Käfer zu taxieren scheinen: Kann das aufgepickt werden? Die Strasse ist leer, die Häuser trotz einiger beleuchteter Fenster verschlossen, Rettung ist nicht in Sicht.
Es ist ein Kennzeichen der ebenso leuchtenden wie schwebenden Tableaux der seit 1984 aktiven Künstlerin, dass sie die Menschen immer etwas verloren wirken lassen. Sie vereinzeln, schauen aneinander vorbei oder tauchen schon gar nicht erst auf. ‹Silent Blanket›, 1994, erzählt davon, inspiriert von einem längeren Aufenthalt in Manhattan in den 1980er-Jahren. Das sei ein anderes New York gewesen, wie sie im Interview sagt, das in der kleinen Präsenzbibliothek gezeigt wird. Während Giandelli erzählt, streicheln ihre nie ruhenden Hände die entspannt auf ihren Beinen liegende Katze.
(Fabel-)Tiere bilden ein immer wiederkehrendes Motiv in ihrem Schaffen. Sei es ein für die Menschen unsichtbarer weisser Hase in der Graphic Novel ‹Interiorae›, 2015, der ‹Vampiro transparente› von 2005 oder die Katze in den Armen des traurigen Helden aus ‹Figure of Fun› von 1989. Ein Hase in adrettem Veston beobachtet uns auch ganz selbstbewusst aus dem Triptychon ‹Amabili resti› von 2019. Peter Rabbit, I presume?
Kapitelgleich geordnete Werke wie die Bilder für den Film ‹La Ragazza Carla›, die Stoffdrucke, die Swatch-Uhr oder der flirrende Bilderzyklus ‹Australia› für das Louis Vuitton Travelbook – man glaubt, ‹Wide Open Road› von den ‹Triffids› zu hören – zeigen die Vielfalt der Künstlerin, die jedoch nie beliebig wird, und die mit Schabkarton ebenso arbeitet wie mit Farbstiften und Pastellkreide. – Das auf die Sammlung des Gründers Dieter Burckhardt (1914–1991) zurückgehende Cartoonmuseum ist der «Narrativen Kunst» verpflichtet und nimmt seinen Auftrag seriös wahr. 

Jusqu'à 
30.10.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Gabriella Giandelli 11.06.2022 - 30.10.2022 exposition Basel
Schweiz
CH
Artiste(s)
Gabriella Giandelli
Auteur(s)
Thomas Schlup

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