Georg Freuler

Georg Freuler · Junge Fixerin, Zürich ­Letten, 1980er-Jahre, Schwarz-Weiss-Aufnahme, ­Handvergrösserung

Georg Freuler · Junge Fixerin, Zürich ­Letten, 1980er-Jahre, Schwarz-Weiss-Aufnahme, ­Handvergrösserung

Georg Freuler · Frau mit Hund (Beiz im ­Gundeldingerquartier), 1980er-Jahre, Schwarz-Weiss-Aufnahme, Handvergrösserung

Georg Freuler · Frau mit Hund (Beiz im ­Gundeldingerquartier), 1980er-Jahre, Schwarz-Weiss-Aufnahme, Handvergrösserung

Hinweis

Georg Freuler

Basel/Riehen — Seit über sechzig Jahren ist Georg Freuler (*1938) mit seiner Leica unterwegs. In seinen unzähligen SchwarzWeiss-Aufnahmen steht der Mensch im Fokus, individualisiert und subjektiv. Das Werk entsteht im Kontrast zur zeitgleichen glatten Hochglanzwelt aus Werbung und Internet, zeigt Ausgestossene, Drogensüchtige, Prostituierte in der Schweiz und in den Metropolen der Welt. Freuler ist ein Vielgereister, der in New York und Amsterdam mit den Obdachlosen zusammenlebte, seine süchtige Partnerin empathisch begleitet. Nie ist er Fremdkörper, sondern stets im Dialog mit den Porträtierten, keine Aufnahme ist eine «Gestohlene».
Entstanden ist ein eindrückliches Gesellschaftsporträt, das auf die Ränder der Zivilisation fokussiert und die Condition humaine thematisiert. Die Lichtbilder wecken Anklänge an berühmte Klassiker wie Edward Steichen, Diane Arbus, Brassaï oder Robert Frank. Bisher wurden sie in vereinzelten Ausstellungen gewürdigt, einige erhielten Preise, doch generell sind sie noch zu wenig in der Öffentlichkeit angekommen. Der Kunstraum fächert das Lebenswerk nun in einer Retrospektive unter dem Titel ‹Augenblick und Wahrhaftigkeit› von rund 250 Bildern thematisch auf.
Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie in Kleinhüningen, lernte Freuler zunächst Retuscheur, später Zeichnen und Farbgestaltung an der Kunstgewerbeschule Basel. Etwas Malerisches ist vielen seiner Fotografien geblieben. Ohne Blitz aufgenommen, leben sie von einer dramatischen Lichtführung und teilweisen Unschärfen. In den 1960er-Jahren hält er das Beizenleben fest. Namenlose, einsame Gestalten sitzen vor einem Glas ähnlich den melancholischen Trinkern des jungen Picasso. Auch Treffpunkte der damaligen Kunstszene Basel dokumentierte Freuler. Viele der bekannten Grössen aus Malerei und Musik sind heute verstorben.
Im geschützten Rahmen zeigt die Kuratorin die intimen Bilder der 1980er-Jahre vom Platzspitz und Letten. Freuler kocht für seine Klientel, bringt ihnen Nahrung vorbei. Aus Begegnungen entstehen berührende Porträts. Bitterkeit, Trotz und Gleichmut sprechen aus den Gesichtern. Wunden werden gezeigt, versehrte Körper öffnen sich dem Kameraauge im Wissen, dass hier jemand am Werk ist, der sein Gegenüber nicht blossstellt. Freulers fotografisches Können beruht auf Einfühlung und präzisem Auslösen: Der «fruchtbare Augenblick» wird in diesen ikonischen Bildern auf eindrückliche Weise erlebbar.

Jusqu'à 
06.11.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Georg Freuler 17.09.2022 - 06.11.2022 exposition Basel/Riehen
Schweiz
CH
Artiste(s)
Georg Freuler
Auteur(s)
Iris Kretzschmar

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