Lorenz Olivier Schmid — Auf Spurensuche

Lorenz Olivier Schmid · Madonnenlilie im Streiflicht, 2021, Fotografie, 143,5 x 115 cm, Courtesy König Büro

Lorenz Olivier Schmid · Madonnenlilie im Streiflicht, 2021, Fotografie, 143,5 x 115 cm, Courtesy König Büro

Besprechung

Der Künstler als Tüftler im Labor: Lorenz Olivier Schmid untersucht Spuren natürlicher Prozesse und entdeckt in seinen Recherchen Schönheit auch im Zerfall. Der Zufall spielt dabei eine gewichtige Rolle. Im Benzeholz Raum für zeitgenössische Kunst vermittelt er einen Einblick in seine Arbeit.

Lorenz Olivier Schmid — Auf Spurensuche

Meggen — Lorenz Olivier Schmid (*1982, Aarau) hat mehrere Kunst-am-Bau-Projekte realisiert. Stets suchte er dabei neue Strategien, um über seine Kunst in einen Dialog mit der Architektur zu treten. In der Schulanlage Rütihof etwa setzte er Holz von Bäumen, die wegen des Neubaus gefällt werden mussten, für die Fassadengestaltung ein – als optische Elemente, welche die Schulkinder zugleich als Xylophon nutzen können. Im Pestalozzi-Schulhaus schuf er eine Glockenklang-Installation als ortsspezifisches Pausenzeichen. Die Fenster der Totenkapelle in Buochs versah er mit einer in kompliziertem Sandstrahl-Verfahren erzielten Eisblumen-Struktur, die das einfallende Licht streut. Auch in seinen freien Arbeiten setzt er auf ein breites Spektrum von Materialien und Konzepten. In einer Serie sucht er auf Gläsern von ausgedienten Bilderrahmen nach Spuren dessen, was sie einst schützten – Zeichnungen, Schmetterlingen, Blumen – und blickt damit in eine Welt voller Sammleremotionen. So wird auf einem Glas der Zeichenstrich Hugo Suters leise erahnbar. Zweifellos hätte sich Suter, auch er ein Künstler-Tüftler, über diese Sicherung der Spuren gefreut.
In der Ausstellung in Meggen konzentriert sich Schmid aber fast ausnahmslos auf fotografische Arbeiten. Der Zufall ist stets mit im Spiel: Der Künstler lässt das Bild innerhalb gesetzter Leitplanken gleichsam selber werden. In einer schwarz-weissen Serie widmet er sich dem Erscheinungsbild von mit Streusalz und Strassenstaub vermischtem Schnee in einem Schwebezustand zwischen Eis und Verflüssigung. In einer anderen Gruppe wendet er sich Beeren von Sträuchern vor seinem Atelierfenster zu. In gepresstem Zustand werden sie zu Bildern, denen der Zufall Vielfarbigkeit und ein reiches Formenspiel beschert. Das Bild einer gepressten Madonnenlilie – einer besonders üppigen, fleischigen weissen Blüte mit dunkelroten Staubfäden – zeigt die konzis begrenzte hochovale Form der erst halbwegs geöffneten Blüte, aus der eine pilzartige Form quillt. Man glaubt in einen komplex strukturierten Körper hineinzublicken, der sich im Zustand der Auflösung in berückender Farbigkeit zeigt.
Lorenz Olivier Schmid erreicht mit dem Spiel des oft seitlich einfallenden Lichtes eine rätsel- und zugleich zauberhafte Wirkung. Mögliche Assoziationen tendieren in Richtung wissenschaftlicher Präparate, Einblicke in Urwesen und Einzeller oder – in den Schnee- und Salzbildern – in Kristallisationsprozesse. Und er lenkt unseren Blick auf die hier opulente, dort flüchtige oder gar morbide Schönheit, die den Zersetzungsprozess, dem alles Natürliche ausgesetzt ist, begleitet.

Jusqu'à 
09.10.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Lorenz Olivier Schmid 26.08.2022 - 09.10.2022 exposition Meggen
Schweiz
CH

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