Otto Tschumi

Otto Tschumi · Le Chemin des larmes, 1938, Öl auf Leinwand, 58,2 x 49,4 cm © ProLitteris, ART-Nachlassstiftung Bern

Otto Tschumi · Le Chemin des larmes, 1938, Öl auf Leinwand, 58,2 x 49,4 cm © ProLitteris, ART-Nachlassstiftung Bern

Otto Tschumi · Porträt B., 1956, Tempera auf Papier, 50,1 x 37,5 cm © ProLitteris, ART-Nachlassstiftung Bern

Otto Tschumi · Porträt B., 1956, Tempera auf Papier, 50,1 x 37,5 cm © ProLitteris, ART-Nachlassstiftung Bern

Hinweis

Otto Tschumi

Spiez — «Tschumi ist der in das Absonderliche und Skurrile verliebte Poet», erfasste Arnold Rüdlinger im Jahr 1946 dessen Bildwelten knapp und treffend. Dem bedeutenden Berner Surrealisten widmet das Schloss Spiez in den renovierten Räumen eine umfassende Übersichtsausstellung: ‹Otto Tschumi. Surreale Welten› mit rund 70 Werken von Gemälden über Grafik bis zu Kohlezeichnungen. Zu Beginn der Ausstellung eine in farbige Grundformen aufgelöste, geometrisch verspielte ‹Stadt 1925› – etwas an Klee erinnernd. Von diesem und Picasso war Tschumi, der aus einfachen Verhältnissen stammte und 1921–1925 beim Maler Ernst Linck an der Gewerbeschule Kurse besuchte, zu Beginn begeistert und beeinflusst. Die Wendung zum Surrealismus liess aber nicht lange auf sich warten, als er 1936 mit seiner Frau, der Tänzerin Beatrice Gutekunst, nach Paris zog. Dort begegnete er Max Ernst, Hans Arp und Salvador Dalí, mit deren Werk er sich intensiv beschäftigte.
Nach der Flucht 1940 in die Schweiz setzte er diese Auseinandersetzungen in einer besonders produktiven Phase fort. Etwa im Gemälde ‹Tänzerin› von 1942, in welchem eine dunkle nebulöse Figur – mit weissen freien Linien gekonnt akzentuiert – vor einem Farbverlauf aus Schwarz, Rot und Blau ihre Flügel aus seltsamen Rundformen ausbreitet.
Die Ausstellung beleuchtet das umfassende Werk zusätzlich mit Einblicken in seine Fotografie, in seine öffentlichen Aufträge und die hochwertige Gebrauchsgrafik, wie etwa für die SBB – wo auch das Talent zur Vereinfachung und sein Humor spürbar werden. Letzterer zeigt sich auch bei seinen Tiermotiven, wie im Blatt ‹Grosser Kater› von 1950, in welchem er eines seiner wichtigsten Modelle, liebevoll «Pinsel» genannt, porträtierte. Hier setzt sich der Vierbeiner aus schlingernden Rundformen zusammen, die wirken, als habe jemand zum Sparschäler gegriffen. Dabei ist Tschumis Verwendung von Tiermotiven, wie Pferden, Vögeln oder Stieren, ähnlich existenziell wie bei anderen Surrealisten, jedoch von sichtbar mehr Sympathie geprägt. Themen wie Einsamkeit und Vergänglichkeit werden mit Tierdarstellungen, aber ab den 1950er-Jahren auch in einer zweiten wichtigen Werkgruppe, in traumartigen Schiffs-, Strand- oder Stadtmotiven, thematisiert. Der vielfältige, eigenwillige wie spannende Berner starb 1985 und ist in Spiez unter idealen Bedingungen nun erstmals seit vielen Jahren so umfassend (wieder) zu entdecken. 

Jusqu'à 
16.10.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
OTTO TSCHUMI. Surreale Welten 02.07.2022 - 16.10.2022 exposition Spiez
Schweiz
CH
Auteur(s)
Adrian Dürrwang
Artiste(s)
Otto Tschumi

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