Renée Levi — Langmatt im Farbrausch

Renée Levi · Rhabarber, 2019, Ausstellungsansicht Galerie Museum Langmatt, Baden. Foto: Lee Li

Renée Levi · Rhabarber, 2019, Ausstellungsansicht Galerie Museum Langmatt, Baden. Foto: Lee Li

Renée Levi · Rhabarber, 2019, Ausstellungsansicht Park Museum Langmatt, Baden. Foto: Lee Li

Renée Levi · Rhabarber, 2019, Ausstellungsansicht Park Museum Langmatt, Baden. Foto: Lee Li

Besprechung

Wucht, Dynamik und malerische Grandezza attestiert die Rezep­tion den Eingriffen der Basler Künstlerin Renée Levi. Dass die in Istanbul geborene und im Aargau aufgewachsene Powerfrau ihrem Ruf gerecht wird, zeigen die begeisterten Reaktionen auf ihr inszeniertes Bilderlager in der Langmatt.

Renée Levi — Langmatt im Farbrausch

Baden — Neue Besen kehren gut. Wischmopps noch besser. Markus Stegmann, Museumsdirektor der Langmatt, sorgt immer wieder für Aufsehen. Diesmal schiesst er – will man den begeisterten Kommentaren des Publikums folgen – eindeutig den Vogel ab. Das Lob gilt der in Basel lebenden Malerin Renée Levi (*1960). Die ausgebildete Architektin – sie arbeitete zeitweise für Herzog & de Meron – und heute an der HGK Basel tätige Kunstprofessorin ist mit aller Wucht ins Wohnmuseum eingefahren: Farbfeldmalerei, überdimensionale Leinwände und grosse Gesten zeugen in der Tat von Grandezza. Aber, fragen Sie sich, was hat das mit Wischmopps zu tun? Beginnen wir von vorne, draussen im Park: Unter eine Baumgruppe steht eine übergrosse Leinwand mit spontan gestreuten Farbflächen und lässt bereits erkennen, was leuchten soll im Innern der Villa. Gehängt wird dort nämlich fast gar nichts. Angelehnt an die Galeriewände oder freistehend im Raum vermitteln die ­Exponate ungewohnte Grosszügigkeit. Im Esszimmer fügen sich azurblaue Kringel wandüberspannend aneinander, als gelte es, die Kristallkugeln des Leuchters über dem Salon­tisch zu multiplizieren. Levi sagt dazu: «Der Kringel ist eine mir eigene Form des Füllens und Suchens.» In der sonst eher düster wirkenden Bibliothek verweist eine ­freistehende Leinwand auf die Farben der Natur: Erde, Pflanzen und Feuer ­beziehungsweise Braun, Grün und Orange, die sich auch beim Blick durchs Fenster offenbaren. Mehr noch: Das feurige Orange verleiht dem Raum anstelle des kalt gewordenen Kamins eine wunderbare Wärme. Wie zufällig hingestellt reiht sich dann in der grossen Galerie Leinwand an Leinwand – unter ihnen die grösste mit einem Ausmass von vier mal sechs Metern. Renée Levi hat das Leinen vorgängig bemalt, zusammengerollt und die Holzrahmen erst vor Ort bespannt. Dass die Künstlerin nicht zum Pinsel greift, sondern in ausladenden Gesten mit selbstgebastelten Wischmopps den Farbauftrag ausführt, erkennt man an den Bahnen. Bahnen, wie sie vielleicht vor Jahren auch die Dienstmädchen in der Galerie zogen, wenn sie den Parkettboden der Villa scheuerten. Kunst als Hommage an die Zimmermädchen von gestern und an starke Frauen von heute? Die Namen der Gemälde – Morena, Nora, Simona oder Babra – lassen es jedenfalls vermuten. Nur, wie ist ‹Rhabarber› als Ausstellungstitel zu verstehen? Rabiate Barbara? Barbarische Eingriffe? Oder ganz einfach die Verballhornung von allem? Egal, Renée Levi fährt ein.

Jusqu'à 
08.12.2019

→ ‹Renée Levi – Rhabarber›, Museum Langmatt Baden, bis 8.12. ↗ www.langmatt.ch
→ Biennale de Lyon, bis 5.1. ↗ www.biennaledelyon.com

expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Renée Levi – Rhabarber 08.09.2019 - 08.12.2019 exposition Baden
Schweiz
CH
Artiste(s)
Renée Levi
Auteur(s)
Feli Schindler

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