Schau, ich bin blind, schau — Von Zaugg bis Baldessari

Rémy Zaugg · Schau, ich bin blind, schau, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Basel, 2019

Rémy Zaugg · Schau, ich bin blind, schau, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Basel, 2019

Rémy Zaugg · Schau, ich bin blind, schau, 1997/98, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Basel. Fotos: Julian Salinas

Rémy Zaugg · Schau, ich bin blind, schau, 1997/98, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Basel. Fotos: Julian Salinas

Besprechung

Hans und Monika Furer-Brunner haben dem Kunstmuseum ­Basel Werke von Rémy Zaugg geschenkt, die nun mit ausgewählten Arbeiten aus der Privatsammlung ausgestellt sind. Bezüge zwischen Minimal Art, Konzeptkunst, Pop Art, Neuer Figuration und deren Rezeptionsgeschichte in Basel werden sichtbar.

Schau, ich bin blind, schau — Von Zaugg bis Baldessari

Basel — Am liebsten sammeln sie Werkgruppen. Sie, das sind Hans Furer (*1955, Biel), Rechtsanwalt, Künstler und ehemals Politiker, und Monika Furer-Brunner, Lehrerin. Hans Furer ist zudem seit 1997 Kassier des Vereins der Freunde des Kunstmuseums Basel. Nachdem sie dem Haus ein umfangreiches Werkkonvolut des Schweizer Konzeptkünstlers Rémy Zaugg (1943–2005) geschenkt hatten, richteten sie damit und mit Werken aus ihrer Sammlung nun eine Ausstellung ein, die unterschiedliche Bezüge aufscheinen lässt. Zauggs 48 ‹Perzeptive Skizzen› zur ‹Entstehung eines Bildwerks›, 1963–1968, dominieren drei Wände in einem der Ausstellungssäle. Mit diesem Zyklus fand der junge Künstler den Weg zur Monochromie – basierend auf einer textlichen Analyse von Paul Cézannes ‹La maison du pendu›. Als Vorlage diente Zaugg eine Abbildung in einem Kunstbuch. Just ein solches ist in der Ausstellung in einer neuen Fotografie von Thomas Ruff zu sehen, womit Zauggs Analyse visuell verortet werden kann. Ruff hat seine Arbeit, die sich mit dem Thema Reproduktion beschäftigt und damit eigene künstlerische Fragen mit denen von Zaugg verbindet, auf Anregung von Hans Furer und dem Kunsthistoriker Simon Baur geschaffen. Hans und Monika Furer-Brunner besitzen 14 Fotografien von Thomas Ruff. Diese Werkgruppe ist nun, nachdem sie sich von derjenigen von Rémy Zaugg getrennt haben, die umfangreichste in ihrer Privatsammlung.
Die Exponate weisen auch auf Freundschaften, die das Sammlerpaar zum Ehepaar Zaugg, zu Thomas Ruff, Pia Fries, Stephan Balkenhol, zur Mai 36 Galerie oder zu Herzog & de Meuron pflegt, sowie auf Beziehungen zwischen den Kunstschaffenden untereinander. Dies spiegeln Ruffs Fotografien ‹Porträt (P. Fries)› und ‹Sammlung Goetz, München› – ein Gebäude von Herzog & de Meuron. Anhand der Schau lässt sich schliesslich auch eine Blütezeit der Basler Kunstgesellschaft ablesen, in deren Mittelpunkt das Kunstmuseum und die Kunsthalle in der Ära von Jean-Christophe Ammann und Peter Pakesch stehen. Deren Ausstellungen und der Sammlungszuwachs im Museum oder bei Privaten – dies zeigt sich auch im sogenannten Amerikaner-Raum – waren miteinander verbunden, sie förderten, inspirierten und stützten sich wechselseitig.

Jusqu'à 
01.12.2019

→ ‹Schau, ich bin blind, schau. Von Rémy Zaugg bis John Baldessari – die Sammlung Hans und Monika Furer›, Kunstmuseum Basel, Neubau, bis 1.12.; mit umfangreicher Begleitpublikation inkl. Werkverzeichnis der Privatsammlung, Schwabe Verlag Basel ↗ www.kunstmuseumbasel.ch

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