Stefan Tcherepnin

Stefan Tcherepnin, Honky Tonk Calamity >< Ms. Fortune on the Links, Kunsthalle Zürich 2019. Foto: Lucas Ziegler

Stefan Tcherepnin, Honky Tonk Calamity >< Ms. Fortune on the Links, Kunsthalle Zürich 2019. Foto: Lucas Ziegler

Stefan Tcherepnin, Honky Tonk Calamity >< Ms. Fortune on the Links, Kunsthalle Zürich 2019. Foto: Lucas Ziegler

Stefan Tcherepnin, Honky Tonk Calamity >< Ms. Fortune on the Links, Kunsthalle Zürich 2019. Foto: Lucas Ziegler

Hinweis

Stefan Tcherepnin

Zürich — Düster ist es im Raum. Grell ausgeleuchtet sind die riesigen Krümelmonster, deren haarige Körper sich als gespenstische Schatten an den violetten Wänden manifestieren. In die Leere starren sie, mit ihren grossen, runden Augen. Das etwas dümmliche, aber doch gutmütige Monster aus der ‹Sesamstras­se›, das immer hungrig ist, hastig seine Kekse verdrückt, wird nun in fünffacher Ausführung zum Protagonisten eines absurden Schauspiels. Das eine Monster trägt ein langes Seil auf der Schulter, als ob es den Golfwagen ziehen möchte, der daran befestigt ist; doch statt zu ziehen, steht es vor dem Fenster, starrt starr hinaus, als ob es Fernweh hätte. Ein anderes Monster kniet auf einem roten Teppich, im fast schon blendenden Scheinwerferlicht, beinahe flehend sieht es aus. Ein weiteres liegt auf dem Boden, regungslos, sein leerer Blick mit der Decke verklebt. Lebt es noch? In der Mitte des Raums steht eine runde Architektur. Auf der einen Seite ist eine Treppe angelehnt, die ins Nichts führt; auf der anderen wurde ein Spiegel angebracht, der alle und alles verzerrt, was sich darin spiegeln mag. Und siehe da, eine Öffnung offenbart, was sich innerhalb der Fassade befindet: ein «Cookie»-Monster auf dem Golfplatz. Den Schläger in der Hand, die Augen verdreht, als ob es ein Chamäleon wäre, das gierig Ausschau nach der Fliege hält. An diesem Ort ist die vertraute Figur aus der Kindheit auf einmal unvertraut, ähnlich wie Pennywise aus dem Roman von Stephen King: der fröhliche Clown, der zur Horrorfigur, zur Personifikation aller kindlichen Ängste wird. Was verbirgt sich unter der Perücke, dem Make-up? Was verbirgt sich unter dem künstlichen, etwas ekelerregenden Fell der Krümelmonster? Ein Wechselspiel aus Behagen und Unbehagen, das auch im Titel der Ausstellung zu finden ist: ‹Honky Tonk Calamity›, ‹Ms. Fortune on the Links›. Nicht weniger verwirrend als die Ausstellung selbst, wobei «Ms. Fortune», einmal ausgesprochen, dem Wort «Misfortune» ähnelt; ein Wortspiel aus «Frau Glück» und «Unglück». Der Komponist und Künstler Stefan Tcherepnin (*1977, Boston) präsentiert ein absurd-monströses Panoptikum, indem er einen bekannten Charakter aus der amerikanischen Populärkultur verfremdet: Auf einmal steht das Krümelmonster nicht mehr für kindliche Unbeschwertheit, sondern für Melancholie, Trägheit oder Unterwürfigkeit. Der Golfplatz wird zur Bühne des gefallenen Helden, der Country von Tcherepnin zur musikalischen Begleitung des Falls. 

Jusqu'à 
17.11.2019
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Peter Wächtler, Stefan Tcherepnin 31.08.2019 - 17.11.2019 exposition Zürich
Schweiz
CH

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