wavering grounds

Fabienne Immoos · in den Schatten des Dazwischen sonnen, 2019, Detail aus der Installation

Fabienne Immoos · in den Schatten des Dazwischen sonnen, 2019, Detail aus der Installation

Fabienne Immoos · in den Schatten des Dazwischen sonnen, 2019, Detail aus der Installation

Fabienne Immoos · in den Schatten des Dazwischen sonnen, 2019, Detail aus der Installation

Hinweis

wavering grounds

Meggen — Das Wort «wavering» hat diverse Bedeutungen: zusammen mit «light» bedeutet es flackernd. Jemand, der als «wavering» bezeichnet wird, ist dagegen eine Person, die unsicher ist, und «wavering hands» sind Hände, die zittern. Die mit ‹wavering grounds› betitelte und zweigeteilte Gruppenschau zielt aber auf eine weitere Semantik des Wortes ab: auf die Bedeutung des Verbs schwanken. Entsprechend setzt sich die Ausstellung – so die programmatische Absicht – mit dem fragilen Gleichgewicht und der Beweglichkeit von Ort und Raum auseinander. In diesem Sinne lassen sich auch die Arbeiten von Fabienne Immoos lesen: Die Künstlerin fügt Primär- und Baumaterialien auf so prekäre Weise zusammen, dass ihre Verbindungen alles andere als Stabilität und Haftung verheissen. Wortwörtlich auf schwankendem Boden bewegen wir uns auch vor Mahtola Wittmers Rauminstallation ‹Bouncy Cube›, 2019: In der als Pseudo-White-Cube konstruierten Hüpfburg, die zugleich eine Persiflage auf die hermetische Strenge weisser Museumsräume darstellt, ruft die Künstlerin zur sportlichen Partizipation auf. Auf subersive Weise präsentiert sie mit ihrer Konstruktion im Pavillongarten einen Kubus aus Plastik, der mehr an Disneyland erinnert als an die sakrosankte Umgebung eines Ausstellungsraums. Dies umso mehr, als unsere Bewegungen, anders als in traditionellen Museumsräumen, nicht streng reglementiert sind, sondern von der Eigendynamik des aufblasbaren Kunststoffs abhängen. Während Wittmer mit ihrer raumgreifenden Installation eine ephemere Spielstation kreiert, liegt der Fokus in Klarissa Flückigers Schaffen in der subtilen Dekonstruktion von alltäglichen Objekten. Indem die Künstlerin etwa einem Holzstuhl ein Bein entfernt, entfremdet sie das Sitzmöbel seiner pragmatischen Funktion. Zeitgleich transformiert sie durch ihre minimalistischen Zugriffe anonyme Gegenstände in Artefakte mit Werkcharakter. Ihres funktionalen Charakters beraubt sind neben Flückigers verfremdeten Gegenständen auch die Stoffarbeiten Maria Schumanns. Am Webstuhl entwirft die Künstlerin Textilien, die sie zu Objekten von dreidimensionaler Qualität verarbeitet. Akzentuiert wird der raumbezogene Zugriff dadurch, dass die Künstlerin die gewebten Arbeiten mit filigranen Metallstäben zu farbigen Paravents verarbeitet. Das dialektische Spiel von Raum und Fläche manifestiert sich auch in den Lichtinstallationen von Markus Aebersold und Chris Handberg. Das Kollektiv lädt so Innenräume atmosphärisch auf. Der Versuch der Ausstellung, heterogene Künstlerpositionen zusammenzuführen, ist verheissungsvoll. Als Schnittstelle die Sondierung des Raums und Fragen nach Bewegung und Gleichgewicht anzuführen, klingt allerdings ebenso ausufernd wie das Bedeutungsspektrum des Wortes «wavering». 

Jusqu'à 
10.11.2019

→ Benzeholz Raum für zeitgenössische Kunst / Pavillon Tribschenhorn, bis 10.11.  ↗ www.ptth.pt

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