Admir Jahic & Comenius Roethlisberger

Admir Jahic & Comenius Roethlisberger, Music – A Conversation Through Song Titles, 2021, Kulturstiftung Basel H. Geiger

Admir Jahic & Comenius Roethlisberger, Music – A Conversation Through Song Titles, 2021, Kulturstiftung Basel H. Geiger

Hinweis

Admir Jahic & Comenius Roethlisberger

Basel — Ein Songtitel folgt dem nächsten. Dass es «keinen Zweifel gibt», wird mit einem Imperativ beantwortet, der zum Darübertanzen auffordert. Beide Zeilen sind Titel von Musikstücken, die als Vokabular für einen besonderen Austausch dienen sollten: Eine Gruppe aus internationalen Künstlerinnen und Künstlern sollte jeweils paarweise mit einem Titel antworten. Insgesamt entstanden 80 Songtitel-Konversationen. Festgehalten wurden sie handschriftlich auf Papier. Die beiden Basler Konzept-, Medien- und Installationskünstler Admir Jahic und Comenius Roethlisberger ­haben diese Parameter aufgestellt und in einem umfangreichen Buch zusammengefasst. Damit schliessen sie an das erfolgreiche Kochrezeptbuch ‹Artists’ Recipes› bekannter Künstler an, das 2015, ebenfalls bei Bolo Publishing, dem Eigenverlag des Künstlerduos, erschienen war. Jahic/Roethlisberger arbeiten schon lange zusammen, mit einer festen täglichen Routine im gemeinsamen Atelier.
Für die Show in der Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G wurden fünfzehn ausgewählte Zitatdialoge materialisiert und als schwebende Neonschriften im Raum gezeigt. Sie sind einzeln verkabelt und steuerbar, frei gehängt, ohne festen Rahmen und bekommen dadurch eine Art Eigenleben. Der Kontext, den die Installation mit Leuchtschrift mitbringt, wird mit improvisatorischer Lust am Zufall immer wieder neu definiert.
Es entsteht eine Art Synthese aus poetischer Konnotation und der Frage nach der inhaltlichen Relevanz einer sprachlichen Aussage, die in Form visueller Ästhetik auftritt. Anders als die leuchtenden, eingravierten oder auf die Wand gedruckten Schriftzüge von Jenny Holzer, Bethan Huws oder Lawrence Weiner bewegen sich die von Jahic/Roethlisberger gesammelten und im Ausstellungsraum kuratierten Songtitelzitate auf einer anderen Ebene. Sie sind Spiel, sie sind Farbe und Form, deren Buchstäblichkeit mit einer scheinbar lapidaren Haltung einen metaphorischen Wissensspeicher zelebriert, die Leichtigkeit in die im übertragenen Sinne verstaubten Bücher- oder Platten­regale bringt. Eine Erforschung des immate­riellen Materials – als Parodie auf die Parodie, als bewegliche Antwort auf die Ernsthaftigkeit einer freien Partie wird spürbar und zieht uns mit einem als atmosphärischer Stimmungsgenerator fungierenden verspiegelten Fussboden in eine Doppelbödigkeit hinein, die Freude macht und dennoch gehaltvoll-berührend zum gedanklichen Weitergehen einlädt. 

Jusqu'à 
14.11.2021

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