Casper Faassen

Casper Faassen · Falling floating, 2019, Ölfarbe, farbiger und weisser Druck auf Setasand-Acrylglas, Edition 3 von 7 & 2 AP, 150 x 150 cm

Casper Faassen · Falling floating, 2019, Ölfarbe, farbiger und weisser Druck auf Setasand-Acrylglas, Edition 3 von 7 & 2 AP, 150 x 150 cm

Casper Faassen · Mono No Aware II, 2017, Ölfarben, farbiger und weisser Druck auf Setasand-Acrylglas, Edition 6 von 7 & 2 AP, 120 x 180 cm

Casper Faassen · Mono No Aware II, 2017, Ölfarben, farbiger und weisser Druck auf Setasand-Acrylglas, Edition 6 von 7 & 2 AP, 120 x 180 cm

Hinweis

Casper Faassen

Zürich — Die Liegende im seidenen, brokatbesetzten Kimono kehrt den Betrachtenden den Rücken zu und streift sie, über ihre Schulter hinweg, dennoch mit einem flüchtigen, schüchternen Blick. Im ersten Moment erscheint die Arbeit von Casper Faassen (*1975, NL) wie Malerei. Tatsächlich aber handelt es sich um eine Fotografie, wenn auch nicht auf Papier, sondern hinter Glas und unter Einsatz von Ölfarbe. Gedruckt wird in einem Sandwich-Verfahren, bei dem nicht nur das Glas zum Bildträger mutiert, sondern auch die Rückwand des Bilderrahmens einbezogen wird.
Genau daraus entsteht die besondere Transparenz und Tiefenwirkung der Fotos. Denn transluzente Weiss- oder Grautöne auf dem Glas im Vordergrund eröffnen eine Durchsicht bis auf die metallisch-reflektierende, zum Teil farbig bedruckte Rahmenwand im Hintergrund, die so zu einem integralen Bestandteil des Motivs avanciert. Eigentlich könnte man von Foto-Objekten, von Guckkästen sprechen.
Die Tiefenräumlichkeit wird auch von den Sujets selbst unterstützt, wenn Körper, wie besonders eindrücklich bei den grossen Tanzenden zu beobachten, in die Unschärfe entschwinden, einzelne Gliedmassen wie Hände aber scharf gezeichnet und zum Greifen nah erscheinen.
Dieses faszinierende Wechselspiel von Nah und Fern, Schärfe und Unschärfe gelingt Casper Faassen durch den intelligenten Einsatz von Glas bereits bei der Aufnahme im Studio. Er benutzt mannshohe, opake Scheiben wie eine Folie, die den Fotografen mitsamt seiner Kamera von dem Motiv, der Tänzerin, trennt. Faassen befindet sich also nicht nur hinter der Linse seiner Kamera, sondern zusätzlich hinter einem gläsernen Vorhang, wenn er den Auslöser betätigt. Das Glas trägt zur Distanzierung des Fotografen von seinem Modell bei. Die Tänzerinnen berühren im Tanz zwar das Glas und hinterlassen Abdrücke darauf, gleichzeitig bewahrt es ihre Körper aber vor indiskreten Blicken, weil diese im Hintergrund flüchtig und schemenhaft bleiben. Körper, die allesamt in edle, wallende Stoffe gehüllt sind, deren Draperien und Farbschattierungen das Bild bestimmen.
Aktaufnahmen kommen in der Ausstellung nicht vor. Und dennoch verweist Casper Faassen angesichts seines ikonischen Motivs der eingangs erwähnten Liegenden im Kimono subtil auf ein berühmtes Vorbild aus der historischen Malerei. Denn sein Foto wirkt wie ein Echo auf die ‹Grosse Odaliske, 1814, von Jean Auguste Dominique Ingres, die heute im Louvre hängt.

Jusqu'à 
20.11.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
LEVITATE 30.09.2021 - 20.11.2021 exposition Zürich
Schweiz
CH
Artiste(s)
Casper Faassen
Auteur(s)
Mechthild Heuser

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