Cathy Josefowitz — Malerin der Bewegung

Cathy Josefowitz · Le Tire-bouchon, 1975, Öl auf Karton, 100 x 79,5 cm, Courtesy Sammlung Pierre Sebaste Josefowitz14

Cathy Josefowitz · Le Tire-bouchon, 1975, Öl auf Karton, 100 x 79,5 cm, Courtesy Sammlung Pierre Sebaste Josefowitz14

Besprechung

Das Kunsthaus Langenthal zeigt das umfangreiche Werk von Cathy Josefowitz, die zu Lebzeiten kaum ausgestellt wurde. Nun vereint die Retrospektive ‹The Thinking Body› rund 110 Zeichnungen, Malereien, Collagen und choreografische Arbeiten. Im Zentrum der Körper und seine Bewegung im Raum.

Cathy Josefowitz — Malerin der Bewegung

Langenthal — Die Arbeiten von Cathy Josefowitz (1956–2014) wirken höchst aktuell. Themen sind der Körper und seine Repräsentation, die Sexualität, die Auseinandersetzung mit sich und «dem Anderen» und nicht zuletzt die Suche nach der eigenen Identität. Prägend ist dabei immer das Körperliche. Und die Bewegung, sowohl im eigentlichen wie auch im übertragenen Sinn. In den USA geboren und in Genf aufgewachsen, wechselte die kosmopolite Künstlerin mehrmals ihren Wohnsitz und hinterliess nach ihrem Tod in Genf über 3000 Werke. Eine Auswahl davon ist nun in der Retrospektive in Langenthal zu sehen, die von der Kuratorin Elise Lammer und dem Kunsthaus Langenthal initiiert wurde. Sie reist danach zum Centre culturel suisse in Paris und zum MACRO Roma, die als Projektpartner beteiligt sind.
Dreissig Skizzen aus Josefowitz’ Skizzenbüchern der 1980er eröffnen die Schau in Langenthal. Mit dem groben, aber dennoch präzisen Strich der Ölpastellkreide berühren die kleinformatigen Zeichnungen in ihrer Unmittelbarkeit, ihrer Direktheit – und in ihrer Ehrlichkeit. Teils durch kurze Textfragmente ergänzt, wie etwa «Avant le départ, 1979», lesen sich die Skizzen wie intime Gedanken, verortet in ihrer Biografie.
Von der gleichen Direktheit zeugen die grossformatigen figurativen Malereien aus den 1970er-Jahren. Expressionistisch anmutend und manchmal in dunklen Farbtönen auf Leinwand gemalt, lassen sie eine eigenständige Malerin erkennen. Was sich bereits in den frühen Werken abzeichnet: ihr Gespür für Figuren, für Protagonistinnen und Protagonisten. Ihre Bilder werden zur Bühne, mal für ihre Katze, mal für eine Figur mit Baguette, ein weiteres Mal für sich und Romain, ihren damaligen Partner.
Exemplarisch für ihr Werk ist das Ölbild ‹Sans titre› von 1979: ein abgewandter Mann in gelbem T-Shirt, mehr tanzend als gehend, vor einem grün-blauen Blätterhintergrund. Hier wird Josefowitz’ Auseinandersetzung mit dem Menschen in Bewegung deutlich, mit dem Tanz, den sie Ende der 1970er-Jahre zuerst in den USA, später in England studierte. Wie die Künstlerin 1986 in einem Interview sagte, beeinflussen sich in ihrer Arbeit Tanz und Malerei gegenseitig. Ihre Werke entstünden aus einer Bewegung, aus dem Tanz, «aber ich schöpfe aus den Bildern in meinem Kopf». Als Choreografin – 1987 zog sie für ein Choreografiestudium nach Amsterdam – führte sie diese Fäden nicht nur zusammen, sondern auch weiter, wie die Videodokumentationen in der sehenswerten Ausstellung zeigen. 

Jusqu'à 
14.11.2021

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