Starke Zürcherinnen

Elsa Burckhardt-Blum (links) 1958 in ihrem Architekturbüro. Foto: Thomas Cucini

Elsa Burckhardt-Blum (links) 1958 in ihrem Architekturbüro. Foto: Thomas Cucini

Barbara Schulthess · Ölgemälde von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, 1781

Barbara Schulthess · Ölgemälde von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, 1781

Hinweis

Starke Zürcherinnen

Zürich — Vor 50 Jahren errangen die Frauen auf eidgenössischer Ebene das Stimm- und Wahlrecht. Diesen Jahrestag nimmt die Zentralbibliothek zum Anlass, an Zürcherinnen zu erinnern, die bis 1971 Pionierarbeit leisteten. Der Bogen wird dabei von den 1292 gegen Herzog Albrecht I. die Stellung haltenden Stadtzürcherinnen auf dem Lindenhof über die mit fürstlicher Macht ausgestatteten Äbtissinen des Fraumünsters bis zum ersten Wahlsonntag mit Frauenbeteiligung im Jahr 1970 (Gemeindewahlrecht im Kanton) gemacht.
Im Themenraum Turicensia (Lesesaal) werden vier Architektinnen porträtiert. Elsa Burckhardt-Blum (1900–1974) war für das Atelier Haus von Gotthard und Reh Schuh sowie für die ‹Halle des Sports› an der Landi 1939 verantwortlich. Lux Guyer (1894–1955) gründete 1924 an der Bahnhofstrasse ihr eigenes Büro, das ihre Nichte Beate Schnitter (*1929) übernahm. Sie entwarf 1963 das nicht realisierte Projekt ‹Jolieville› in Adliswil, ein aktuell anmutendes Ensemble mit Wohntürmen. Annemarie Hubacher-Constam setzte als Chefarchitektin der SAFFA 58 (der Aluminium-Pavillon von Berta Rahm konnte letztes Jahr gerettet werden) und des Hotels Atlantis Meilensteine.
In der atmosphärisch dicht gestalteten Schatzkammer im Predigerchor zeigen diverse Originaldokumente den oftmals steinigen Weg zum Erfolg. Im Originaldiplom der ersten praktizierenden Ärztin Marie Heim-Vögtlin (1845–1916) steht fröhlich ‹Herrn Fräulein …›. Eine Wegbereiterin der sekundären Bildung für «Töchter» war Josephine Stadlin (1806–1875), die als ledige zugezogene und katholische Frau im damals reformierten Zürich besondere Widerstände zu überwinden hatte. Einer früheren Epoche gehörte Barbara Schulthess-Wolf (1745–1818) an, die mit ihrem literarischen Salon massgeblich als Kulturvermittlerin tätig war.
Auch das soziale Wirken von Lotte Hüblein (1909–2008) wird vorgestellt – die gebürtige Wienerin war als Ausländerin, Kommunistin und Jüdin wohl etwas viel auf dem Teller der Zürcher Herren. Frauen engagierten sich immer wieder für Flüchtlinge. Wer in den dunklen Zeiten des Zweiten Weltkriegs das Zimmer 138 der Fremdenpolizei erreichte, war gerettet. Hier wirkte eine stille Heldin mit grosser Menschlichkeit: Elisabeth Birsinger (1900–1975) versah ihren Dienst im Auftrag der Behörden, deren Vorgaben sie immer im Rahmen der Paragrafen konsequent zugunsten der Bittsteller umsetzte. Else Lasker-Schüler war dieses Glück nicht vergönnt.

Jusqu'à 
11.12.2021

→ Zentralbibliothek Zürich, bis 11.12. ↗ www.zb.uzh.ch
→ Berta Rahms Pavillon ↗ www.ausstellungen.gta.arch.ethz.ch

Publicité